Studiengang Online-BWL an Suderburger Ostfalia vernetzt Hochschüler und soll Fachkräfte sichern

Per Livestream in die ganze Welt

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Professor Dr. Markus Lauber, Dozent für Online-BWL an der Suderburger Ostfalia, bei einer Videokonferenz. Er sieht großes Wachstumspotenzial für den Studiengang.

Suderburg. Von Peking per Videostream nach Suderburg: Dieses Szenario könnte nach Ansicht von Professor Dr. Markus Launer von der Fakultät Handel und Soziale Arbeit an der Ostfalia Hochschule bald Wirklichkeit werden.

Launer lehrt in Suderburg Online-Betriebswirtschaftslehre (BWL) – einen Studiengang, der großes Wachstumspotenzial habe und den Ostfalia-Standort aufwerten könne. Denn die Studenten verfolgen die Vorlesungen an ihrem Computer. „Das geht auch international. Es können auch Leute aus China teilnehmen“, erklärt er.

Jeden Montag bis Donnerstag zwischen 18 und 21 Uhr tritt Launer per Webcam und Livestream in Kontakt zu seinen Studenten. „Das mache ich entweder in meinem Büro hier in der Ostfalia oder bei mir zu Hause in Karlsruhe“, erzählt er. Auch seine Kollegin Professor Dr. Antje Baumgarten, die zugleich Studiendekanin ist, lehrt in Vollzeit Online-BWL. Hinzu kommen verschiedene Dozenten aus dem Studiengang Handel und Logistik. Die Kurse im aktuellen Semester heißen zum Beispiel „Controlling“, „Finanzierung“ oder „Wirtschaftsinformatik“.

Über eine interaktive Lehrplattform namens „Moodle“ können sich die Studenten per Internet-Link in die Vorlesung einloggen. Regelmäßig lädt Launer auch Präsentationen und Dokumente hoch. Per Videokonferenz sind Diskussionen mit den Studenten möglich. Diese können zudem ihre Studienarbeiten über eine Webcam präsentieren.

„Die Vorlesungen werden aufgezeichnet und können über das Videoarchiv beliebig oft und zu jeder Tages- und Nachtzeit abgespielt werden“, schildert Launer. Das sei unter anderem für alleinerziehende, berufstätige Frauen ideal: „Sie können dadurch die Dreifachbelastung Familie, Beruf und Studium unter einen Hut bringen.“ Auch Menschen mit Migrationshintergrund, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, profitieren vom Online-Studiengang. Sie haben die Möglichkeit, die Aufzeichnungen vor- und zurückzuspulen und sich alles noch mal in Ruhe anzuhören. „Etwa 30 Prozent der Online-BWL-Studenten haben einen Migrationshintergrund“, sagt Launer.

Eine besondere Bedeutung habe der Studiengang für kleine und mittelständische Unternehmen im Kreis Uelzen, die oft unter Fachkräftemangel leiden. Viele Mitarbeiter kündigen nämlich ihren Job und verlassen den ländlichen Raum, um in Hamburg, Lüneburg oder Hannover ein Vollzeitstudium aufzunehmen.

„Wenn junge Arbeitskräfte einmal weg sind, kommen sie nicht mehr wieder“, weiß Joachim Delekat, Ostfalia-Lehrbeauftragter und Personalberater. Berufsbegleitende Online-BWL sei daher eine gute Möglichkeit für die hiesigen Firmen, ihr Personal zu halten. „Unser Ziel ist aber nicht nur, die Abwanderung zu stoppen“, ergänzt Launer. „Wir wollen auch attraktiv werden, um Menschen in den Kreis Uelzen zu bekommen.“

Von Bernd Schossadowski

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