Bauausschusssitzung der Gemeinde Gerdau: Antrag für Schweinestall nur unvollständig

Landwirt will kein „Spielball“ sein

Keine neue Stellungnahme der Gemeinde nötig: 1300 bis 1450 Schweine passen in den geplanten Stall der Familie Wille. Foto: dpa

Gerdau/Suderburg. „Wir sind im Dialog mit den Anliegern“, betont Christian Teppe, Fachanwalt für Agrarrecht, gestern gegenüber der AZ.

„Wir“ das sind Anwalt Teppe und der Landwirt Hans-Otto Wille, dessen 25-jähriger Sohn 400 Meter außerhalb von Barnsen einen Schweinemaststall bauen möchte. Die Anlage war in den vergangenen Tagen Gegenstand kontroverser, öffentlicher Diskussionen geworden – allerdings weniger das Vorhaben an sich, sondern eher die Informationspolitik der Gemeinde Gerdau hinsichtlich des Bauantrages.

SPD und Grüne hatten der Gemeinde vorgeworfen, ohne Einbeziehung von Rat und Öffentlichkeit eine positive Stellungnahme zu dem Bauvorhaben abgegeben zu haben. Die auf Antrag von SPD und Grünen einberufene Bauausschusssitzung, bei der neben dem Stall in Barnsen auch noch eine weitere geplante Schweinemastanlage in Gerdau sowie die Erweiterung eines Hähnchenmaststalls in Holthusen II Thema sein sollten, wurde nach wenigen Minuten abgebrochen. Der Grund: Die Suderburger Verwaltung, die zur Sitzung einladen sollte, hatte die Ladungsfrist verpasst – ein Fehler, der die Gemüter in Gerdau zum Kochen brachte. Eine hitzige Diskussion über Transparenz, Demokratie und Informationspolitik entflammte (die AZ berichtete).

Anwalt Christian Teppe betont indes, dass die Rädelsführer des öffentlichen Dialogs, weniger an dem Stall, als an ihren persönlichen Fehden interessiert seien. Der Barnsener Landwirt befürchte laut Anwalt „zum Spielball“ zwischen Leuten zu werden, „die nicht betroffen sind“. „Es ist schwer einzusehen, wenn Verwaltungssachen auf unserem Rücken ausgetragen werden“, beurteilt der Barnsener Landwirt die Streitereien.

Mit den direkten Anliegern in Barnsen habe der Landwirt von Beginn an den Dialog gesucht. Der Gedanke, den Stall zu bauen, liegt immerhin schon über zwei Jahre zurück. „Es soll dort kein Feuer entfacht werden“, sagt Teppe. „Den Anwohnern in Barnsen geht es um die Gesamtbelastung. Wir haben ihnen sogar Gutachten gezeigt.“ Trotzdem hat Landwirt Hans-Otto Wille seit der Bauausschusssitzung Gegenwind bekommen.

Der Bauantrag für den Schweinemaststall, in dem Platz für 1300 bis 1450 Tiere entstehen soll, liegt nach Aussage Teppes derzeit – noch unvollständig – bei der Genehmigungsbehörde, also beim Landkreis Uelzen. Einige Unterlagen der Baugenehmigung für den Schweinestall müssen vor der weiteren Bearbeitung allerdings noch nachgereicht werden. „Wir haben noch eine Frist von sechs Wochen“, weiß Wille.

Da es sich aber um keinen neuen Antrag handeln würde, müsste nach Ansicht von Agrarfachanwalt Teppe auch keine neue Stellungnahme durch die Gemeinde Gerdau abgegeben werden. Das wiederum hatten sich die Vertreter der Bürgerinitiative „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ erhofft. Denn am kommenden Montag, 3. September, um 16.30 Uhr im Gasthaus Köllmann in Bargfeld, wird die abgebrochene Bauausschusssitzung vom 21. August nachgeholt.

Von Wiebke Brütt und Jörn Nolting

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