Bauantrag auf Errichtung von drei Hähnchenmastställen in Holthusen II noch nicht gestellt

Keim-Gefahr für Bohlsener Mühle?

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Kurzes Leben im Stall: Derzeit befindet sich ein Hähnchenmaststall in Holthusen II. Der Landwirt überlegt, ob er die Hähnchenmast erweitert und drei weitere Ställe baut.

Holthusen II. Ein Masthähnchenstall steht bereits zwischen Bohlsen und Holthusen II. Nun könnten drei weitere folgen: Der Landwirt Markus Kaiser befindet sich laut eigener Aussage noch in der „Findungsphase“.

Er überlegt, drei weitere Ställe mit jeweils 40 000 Masthähnchen zu errichten (die AZ berichtete). Gestern fand der so genannte Scoping-Termin statt – ein Vorgespräch, bei dem der Landwirt darüber informiert wird, was er an Gutachten einzureichen hat. In erster Linie handelt es sich laut Landkreis-Pressesprecher Martin Theine um Umweltschutz-Gutachten. „Von unserer Seite ist es noch nicht fest“, sagt Markus Kaiser auf AZ-Nachfrage. Seit zweieinhalb Jahren betreibt er nun schon seinen Hähnchenmaststall in Holthusen II: „Wir gehen jetzt in die Erweiterungsplanung.“ Um vorzubeugen, so seine Überlegung, wolle er nicht nur den Bau eines Stalls beantragen, sondern gleich den von dreien. „Ich wäge im Moment gerade ab, ob es sinnvoll ist.“

Offiziell ist, laut Martin Theine, noch kein Antrag beim Landkreis gestellt worden. Auch bei der Gemeinde Gerdau und der Samtgemeinde Suderburg liegt noch nichts vor. „Die Gemeinde müsste eine Stellungnahme zur Erschließung abgeben“, weiß Gerdaus Bürgermeister Otto Schröder. Die Samtgemeinde muss laut Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz ebenfalls eine Stellungsnahme zur Erschließung und zum Brandschutz abgeben. „Die Gemeinde ist Träger des Planungsrechtes“, sagt Schulz. Nur ist bei dem Vorhaben nicht klar, ob es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben handelt oder nicht. Das wiederum muss der Landkreis entscheiden. Privilegierte Bauvorhaben sind Bauvorhaben, die auch im Außenbereich, also den Flächen, für die kein qualifizierter Bebauungsplan besteht und die außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen, zulässig sind.

Ihre Zulässigkeit steht unter dem Vorbehalt des Entgegenstehens öffentlicher Belange und einer ausreichenden Erschließung. Privilegiert wäre der Bau beispielsweise auch, wenn der landwirtschaftliche Betrieb die eigene Futtergrundlage sicherstellt. Das ist jedoch in Holthusen II nicht der Fall. „Ich hatte letzte Woche zwei Gespräche mit Bewohnern aus dem Nachbardorf, um die Standpunkte auszutauschen“, sagt Markus Kaiser. Lediglich 600 Meter entfernt von dem bisherigen Hähnchenmaststall befindet sich die Bohlsener Mühle. Dessen Inhaber Volker Krause ist nicht begeistert von dem Vorhaben des Holthusener Landwirts. Er sieht durch die Masse an Tieren Gefährdungspotentiale. Es geht nicht um den Geruch“, betont der Mühlen-Betreiber. Er hat viel mehr Sorge, dass multiresistente Keime am Ende auf seinem Gebäck landen könnten: „Dann ist der Laden dicht und 170 Arbeitsplätze sind in Gefahr.“ Dass er die Haltungsform generell ablehnt, steht für Krause in diesem konkreten Fall im Hintergrund. Er verlangt deshalb handfeste Gutachten, die die Keime ausschließen. „Wenn er nur einen Stall beantragen würde, würde ich dem nicht im Wege stehen, aber gleich drei...“. Für Volker Krause sind deshalb Wissenschaftler gefordert. „Wenn ich die Gefahren nicht ausschließen kann, dann muss ich davon ausgehen, dass eine Gefahr besteht“, so die Meinung des Mühlen-Inhabers, der um seine Produkte besorgt ist. „Wenn der Antrag wirklich gestellt wird, dann werden einige Bohlsener reagieren.“

Von Jörn Nolting

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