Feuer als Pflegemaßnahme bei Ellerndorf / Methode nach Jahrzehnten wieder angewandt

Der „Kalte Brand“ der Heide

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Auffällige Pflegemaßnahme: Damit sie bald wieder in voller Pracht stehen kann, werden Teile der Ellerndorfer Wacholderheide abgebrannt.

Ellerndorf. Brennen soll die Heide. Und das zu ihrem Guten. Der Verein zur Erhaltung der Ellerndorfer Wacholderheide, die Firma Rheinmetall und die Freiwillige Feuerwehr arbeiten zusammen, um ab diesem Jahr einzelne Stücke der Ellerndorfer Wacholderheide abzubrennen.

Was dramatisch klingt, ist eine Pflegemaßnahme und nennt sich „Kalter Brand im Winter“.

Bereits in diesem Monat hat es einen ersten dieser Brände gegeben. „Damit“, so der Förster der Firma Rheinmetall, Rüdiger Quast, „wollen wir eine Verjüngung der Heidefläche erreichen. Die Heide ist zum Teil überaltert und vergrast.“

Auf den Heideflächen der Firma werde das bereits vereinzelt getan, zum ersten Mal seit Jahrzehnten werde dieses Verfahren nun auch in der Ellerndorfer Wacholderheide genutzt. „Wir müssen dabei massiv Rücksicht nehmen auf den Wacholder“, erklärt Quast. Denn die Zypressengewächse sterben ab, wenn sie brennen. Nicht so die Heidepflanze. Der Wurzelstock der Pflanze bleibe erhalten und könne neue Pflänzchen entwickeln. „Wenn im Spätwinter gebrannt wird, blühen diese Pflanzen noch im neuen Jahr wieder.“

Beschlossen wurde der „Kalte Brand“ auch von dem Verein zum Erhalt der Ellerndorfer Wacholderheide. „Durch das Brennen kommt die Heide sehr gleichmäßig wieder“, sagt Ilse Holst, Vorsitzende des Vereins. „Es ist das Beste, damit die Heide wiederkommt.“ Das habe schon ihre Oma immer gesagt – denn der Vorgang ist nicht neu. Neu ist, dass er jetzt seit längerer Zeit wieder vorsichtig in der Wacholderheide genutzt wird. Dabei müssten aber mehrere Vorzeichen stimmen: das Wetter, die Feuchtigkeit, der Wind. Der – fehlende – Wind ist unter anderem wichtig, um das Feuer leichter unter Kontrolle zu behalten.

Genutzt wird das Brennen laut Quast mosaikartig auf kleineren Flächen. Parallel wird in anderen Flächen „geschoppert“, das heißt, die Fläche wird abgeschlagen und etwa ein bis zwei Zentimeter des Bodens weggenommen, damit Humus und Moor sich nicht festsetzen. Diese schaden zwar der Heidepflanze nicht, aber sie geben anderen Pflanzen die Möglichkeit, sich anzusiedeln – und die könnten dann die Heidepflanze verdrängen. Ilse Holst erklärt, dass man dann auch vergleichen möchte, wie sich gebrannte und geschopperte Flächen entwickeln.

Karl-Heinz Köhler, NABU-Vorsitzender im Landkreis Uelzen, bestätigt die Nützlichkeit des Brennens. „Es ist eine sehr effektive Pflegemaßnahme, die auch etwas bringt. Für Leute, die nicht wissen, was dort passiert, ist das Brennen schockierend, aber in diesem Fall ist das völlig in Ordnung“, sagte er. Die Heidepflanze käme nach dem Kalten Brand im Winter „wunderbar heraus“.

Von Kai Hasse

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