26-Jährige aus Osaka zu Besuch in der Bohlsener Mühle

Japanerin blickt hinter die Kulissen

Die Japanerin mit Gaby Makowsky im Backshop des Bahnhofs.

Bohlsen. Mit ihren 26 Jahren hat Kana Ogawa ein festes Ziel für ihre Zukunft: Sie will in Japan eine Bäckerei nach deutschem Vorbild betreiben. Das Backen mit Sauerteig und die Brotherstellung aus ökologischem Anbau will sie lernen.

Was liegt da näher, als der Bohlsener Mühle einen Besuch abzustatten? Helmut Vollmer, Prokurist der Bohlsener Mühle, stimmte einem Besichtigungstermin spontan zu. Als er selber vor zehn Jahren nach Japan reiste, um mit dem Bäckermeister Tsunemitsu Oka in Naruto neue Brotrezepte in dessen Doitsu Ken (Deutsche Bäckerei) umzusetzen, setzte er eine Entwicklung fort, die 1917 im Gefangenenlager Bando bei Naruto ihren Anfang nahm.

Als im April 1917 etwa 1000 deutsche Gefangene zusammenkamen, entwickelten sie dank einer klugen japanischen Lagerleitung ein Lagerleben, das kulturellen und technischen Austausch mit der japanischen Bevölkerung möglich machte. Das Lager hatte eine eigene Bäckerei. Dort wirkte ein Bäckermeister aus Hamburg. Bei diesem meldete sich der japanische Bäcker Oka, und bat, bei ihm in die „Lehre“ gehen zu dürfen. Diese erfolgreiche Bäckerlehre wurde Oka in einer Urkunde dokumentiert, die heute noch in dem Familienbetrieb zu bestaunen ist. Seit dieser Zeit wird in Naruto Brot mit Sauerteig gebacken, heute, in vierter Generation.

Dort zeigte Helmut Vollmer 2001 neuste Brot- und Kuchenbacktechniken mit großem Erfolg. Selbst das japanische Fernsehen filmte Vollmer in Narutos Bäckerei. Jetzt ist es umgekehrt: eine japanische Bäckerin ist in die Bohlsener Mühle gekommen, um sich vor Ort alles anzusehen. Mehr noch, sie wird an drei Tagen in der Mühle arbeiten. Kana Ogawas Eltern betreiben eine Bäckerei in Osaka. Selber arbeitet sie im „Café Müller“, das im Goethe Institut in Kyoto integriert ist. Dort werden bereits Backwaren nach deutschen Rezepten hergestellt.

In wenigen Jahren will Kana Ogawa die Bäckerei ihrer Eltern übernehmen. Bis es soweit ist, hat sie sich vorgenommen, noch viel zu lernen. Dazu gehören auch Sprachkenntnisse. Hier in Bohlsen hat die Uelzenerin Megumi Höfer gedolmetscht. Doch Kana Ogawa lernt bereits die deutsche Sprache. Auch mit Englisch kommt sie gut zurecht.

Der Besuch des Uelzener Hundertwasser-Bahnhofs wird ihr in guter Erinnerung bleiben. Der Backshop dort hatte sie besonders beeindruckt und auch im Restaurant hat sie alles im Foto festgehalten.

„Das sind Anregungen für mein eigenes Geschäft in Japan,“ sagte sie. Kana Ogawa ist zu Gast bei Gaby und Henry Makowsky in Dahlenburg-Dalem.

Von Nora Driesch

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