Sonderpädagogin Dagmar Kallien aus Barnsen geht heute nach 45 Jahren in den Ruhestand

Immer ein offenes Ohr für Kinder

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Sie blickt zufrieden auf ihr Berufsleben zurück und freut sich auf den Ruhestand: Dagmar Kallien aus Barnsen.

Barnsen. „Hingucken, zuhören und unterstützen“ – diese Maxime im Umgang mit Schülern hat Dagmar Kallien in ihrem Berufsleben immer verfolgt.

Fast 45 Jahre war sie als Sonderpädagogin im Kreis Uelzen tätig, gab Sprachförderung an sieben Grundschulen, leitete die Bodwedeschule in Ebstorf und war Konrektorin im Studienseminar für Sonderpädagogik in Lüneburg. Heute beginnt für die 65-Jährige aus Barnsen der Ruhestand.

Dieser Schritt falle ihr nicht leicht, gibt sie zu. „Es hat so viel Spaß gemacht.“ Die Abschiedsfeier im Kollegenkreis sei sehr emotional gewesen. Angefangen hatte alles 1971 in der Uelzener Pestalozzischule. Schon damals engagierte sich Dagmar Kallien dafür, den Spracherwerb der Schüler zu verbessern. „Ich war die erste Sonderpädagogin im Kreis, die Sprachförderunterricht gegeben hat“, erklärt sie.

Kein Wunder, dass sie eine leidenschaftliche Befürworterin der Inklusion ist. „Kinder lernen von anderen Kindern. Gerade bei der Sprache ist es wichtig, dass sie Mitschüler als Vorbilder haben“, betont sie. Auch im sozialen und emotionalen Bereich hätten die inklusiv beschulten Kinder voneinander profitiert.

Ihr Beruf als Sonderpädagogin führte die gebürtige Bienenbüttelerin unter anderen zur Grundschule Suderburg, wo sie etwa 20 Jahre tätig war. Außerdem gab sie zehn Jahre Deutschunterricht für junge Insassen der Justizvollzugsanstalt Uelzen. Dabei habe sie einen großen Bedarf an Zuwendung und Wertschätzung bei ihren „Schülern“ festgestellt.

Der weit verbreiteten Meinung, dass sich die Kinder in den vergangenen 45 Jahren stark verändert hätten, widerspricht die Barnserin. „Ich glaube nicht, dass sie emotional-sozial auffälliger geworden sind“, meint sie. Trotzdem hat sie einen Unterschied zwischen den 1970er-Jahren und heute ausgemacht: Damals habe es mehr offensichtliche Armut gegeben. Ein Erlebnis hat sie besonders berührt. „Einmal hat mich ein Schüler gefragt: ,Hast Du mal mal Kleber für mich? Meine Hose ist kaputt.‘ Er wollte sie mit Uhu zusammenkleben“, erinnert sich Dagmar Kallien.

Ein Meilenstein in ihrem Berufsleben war die Gründung des Uelzener Beratungs- und Unterstützungssystems, kurz UEBUS. Zusammen mit zwei Berufskollegen startete sie vor etwa 15 Jahren diesen Modellversuch, der sich bis heute zu einem Erfolgsprojekt entwickelt hat. Dabei geht es darum, Kindern und Jugendlichen mit emotionalem und sozialem Förderbedarf eine Perspektive aufzuzeigen und sie gemeinsam mit den Eltern auf dem Weg in eine bessere Zukunft zu unterstützen.

So ganz loslassen von ihrem Beruf kann Dagmar Kallien im Ruhestand aber nicht. „Ich mache noch ein paar Fortbildungen“, sagt sie. Zudem will sie nun verstärkt ihrem liebsten Hobby, dem Lesen, nachgehen und mehr Zeit mit ihren drei Enkelkindern verbringen. Eine Vielzahl neuer Aktivitäten plant sie vorerst nicht. „Ich will“, verrät sie „erst mal im Ruhestand ankommen.“

Von Bernd Schossadowski

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