Hundenasen zeigten Weg

Die Hundemeute machte sich am Sonntag bei Dreilingen auf die Spur eines imaginären Stück Wildes. Die Schleppjagd war Teil der landesweiten Aktion „Natur sportlich erleben“.

Dreilingen - Von Jürgen Köhler-Götze. Ihre aristokratische Herkunft kann die Schleppjagd, die der Reit- und Fahrverein Ebstorf am Sonntag zum 25. Mal in Folge veranstaltete, nicht verleugnen. Die Reituniformen haben noch die gleichen Schnitte wie vor 250 Jahren und das Parforcehorncorps Hannover Treffpunkt Fermate, das für den musikalischen Rahmen sorgte, trat gar mit Spitzenjabot und Dreispitz an.

Ganz unaristokratisch hingegen benahm sich ein Foxhound aus der ansonsten äußerst disziplinierten Niedersachsenmeute. Die Parforcehornspieler sahen das Unheil kommen, als die Hunde auf sie zusteuerten: „Du wirst doch nicht…? Pfui! Aus!“ Den Hund scherten die Kommandos herzlich wenig. Respektlos hob einer von ihnen das Bein und markierte den Stiefel einer Hornistin.

Die eigentliche Aufgabe der Meute war es, den Reitern im naturbelassenen, weiträumigen Gelände der Gemarkungen Dreilingen und Wichtenbeck mit ihren Nasen den Weg zu zeigen. Den Weg, den ein vermeintliches Stück Wild genommen hatte, denn bei der Schleppjagd handelt es sich um eine imaginäre Jagd. Kein Stück Wild muss sein Leben lassen. Die Meute folgt einer Spur aus verdünntem Anis-Öl, das aus einem Kanister tröpfelt, der am Sattel des Schleppenreiters hängt, der die Spur legt. Der Lohn der Hunde ist am Ende der Jagd das „Curée“, ein Fetzen Fleisch, um das sich die Meute balgen darf, während das Halali geblasen wird.

In diesem Jahr fand die Schleppjagd im Rahmen der landesweiten Initiative „Natur sportlich erleben“ statt, die von NDR 1 Niedersachsen, der Alfred-Töpfer-Akademie für Naturschutz und dem Landessportbund unterstützt wird. An diesem Wochenende gab es im Rahmen dieser Aktion zwei geführte Wanderungen und ein Jogginglauf im Landkreis Uelzen.

Bevor es auf die Jagd ging, führte der Weg der Reiter und Zuschauer jedoch zum Gottesdienst, den Pastor Christoph Scharff am Rande einer Sandkuhle mitten im Wald abhielt. Für die anschließende Jagd hatten Land- und Forstwirte, Jagdpächter und Klosterforst den Teilnehmern entgegenkommenderweise gestattet, über ihr Land zu reiten. Besonders den Landwirten mit Grünland, das indiesem Jahr wegen der Witterung sehr spät aufgekommen war, dankten die Organisatoren hierfür.

Interessierte Zuschauer konnten der Jagdveranstaltung folgen, indem sie mit Hängern zu markanten Punkten gefahren wurden. Reiter, die die Schleppjagd kennen lernen wollten, ritten im zweiten Feld über natürlichen Boden parallel zum ersten Feld und konnten sich so einen guten Eindruck vom Geschehen verschaffen.

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