Lausitzer Gemeinde baut Aussichtspunkt nach hiesigem Vorbild

Hösseringer Aussichtsturm erhält großen Bruder

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Alfred Meyer (links), ehemaliger Verwaltungschef von Suderburg, und Architekt Axel Braun freuen sich: Der 2003 eröffnete Turm bei Hösseringen (im Hintergrund) wird in der Lausitz nachgebaut.

Hösseringen. 180 Metallstufen führen fast 32 Meter in die Höhe. Oben, auf der Aussichtsplattform angekommen, bietet sich ein imposanter Rundblick. In der Ferne tauchen die Silos der Uelzener Zuckerfabrik, der Bokeler Fernsehturm und der Windpark Wriedel auf.

Keine Frage: Der bei Hösseringen gelegene Aussichtsturm ist ein touristisches Ausflugsziel besonderer Art.

Und er wird zum Exportschlager. Denn die Gemeinde Luckaitztal in Brandenburg will 2017 nach Hösseringer Vorbild einen solchen Steinturm im Naturschutzgebiet Calauer Schweiz, südwestlich von Cottbus, bauen. Er soll den gleichen Durchmesser haben, aber etwa sechs Meter höher werden. Mit der Planung wurde Architekt Axel Braun aus Hösseringen beauftragt. Er hat auch den hiesigen Turm entworfen, der am 30. Mai 2003 nach zehnmonatiger Bauzeit eingeweiht wurde.

„Dass man so ein Bauwerk als kleiner regionaler Architekt in seinem Berufsleben mal bauen würde, ist schon einmalig“, freut sich Braun im AZ-Gespräch. „Den Turm aber noch mal zu bauen, nicht weil er zusammengefallen ist, sondern weil er gefällt, das ist dann wohl schon zweimalig.“

Die Idee, in Brandenburg einen großen Bruder des Hösseringer Turms zu bauen, stammt von Karin Peter. Sie ist Bau- und Ordnungsamtsleiterin im Amt Altdöbern, der örtlichen Verwaltungsbehörde.

In der Calauer Schweiz sei Anfang der 1990er Jahre ein Aussichtsturm aus Holz errichtet worden. Dieser habe aber nach ein paar Jahren abgerissen werden müssen, weil er morsch war. „Im Internet habe ich dann nach einem neuen Turm gesucht und bin auf den bei Hösseringen gestoßen“, erzählt Peter. „Der ist einfach toll: aus Stein gebaut und so gut durchdacht, dass nicht viel kaputt gehen kann.“

Daraufhin nahm sie Kontakt mit Alfred Meyer auf, der 2002/03 als Suderburger Samtgemeindebürgermeister Fördermittel für den 384 000 Euro teuren Bau des Hösseringer Turms beschafft hatte. Im September 2014 schaute sich eine Delegation aus der Lausitz das hiesige Bauwerk an und war begeistert. „Genau das ist es, was wir wollen“, schwärmt Peter. Anders als das Hösseringer Vorbild, das auch als Funkmast dient, soll der Nachbau ein reiner Aussichtsturm werden. „Von dort wird man bis zum Spreewald und zum Lausitzer Seenland sehen können“, sagt Peter. Bauträger ist die Gemeinde Luckaitztal, später soll auch die Stadt Calau in das Projekt einsteigen.

Wie in Hösseringen werden rot-braune, gebogene Klinkersteine verwendet. 75 000 von ihnen werden gebraucht, um die runde Turmform zu gestalten – etwa 20 000 mehr als in Hösseringen. 216 Stufen werden nach oben führen. „Wir rechnen mit Gesamtkosten von 600 000 Euro“, erklärt Peter. Sie hofft auf 75 Prozent Zuschüsse aus EU-Mitteln.

Alfred Meyer freut sich schon auf den Bau in der Calauer Schweiz. „Ich finde das großartig“, sagt er. „Damit wird das Image Hösseringens in die neuen Länder getragen.“

Von Bernd Schossadowski

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