Bei ihm fliegen die Späne: Kettensägen-Künstler Andree Löbnitz schenkt Wolfsburger IG Metall tonnenschweres Kunstwerk

Ein hölzerner Koloss für die Gewerkschaft

Seine Vorstellungskraft und eine Motorsäge – mehr braucht der Hösseringer Andree Löbnitz nicht, um aus einem nackten Baumstamm ein Kunstwerk zu erschaffen. Sein jüngstes Werk: Ein tonnenschweres Monument, das vor dem IG-Metall-Standort in Wolfsburg thronen wird. Fotos: Ph. Schulze(2); Privat(1)

Hösseringen/Wolfsburg. Einen Kunstraub muss Andree Löbnitz aus Hösseringen bei seinem neuesten Werk wohl nicht befürchten – es ist so mächtig, dass es nur mit einem Kran bewegt werden kann.

Bei dem weit mehr als 10 Tonnen schweren Stück handelt es sich um ein Geschenk von Löbnitz an die IG-Metall-Niederlassung in Wolfsburg.

So entstand das IG-Metall-Monument

So entstand das IG-Metall-Monument

Der mit 76 000 Männern und Frauen mitgliedsstärkste Gewerkschafts-Standort Deutschlands feiert in diesem Jahr nämlich sein 65-jähriges Bestehen. Sie betraute den Hösseringer daher mit dem Projekt.

Bei den Skulpturen von Löbnitz fällt neben der in den meisten Fällen beachtlichen Größe vor allem die lautstarke Machart sofort auf. Um die „Schnitzereien“ aus vorwiegend mächtigen Holzstämmen freizulegen, benutzt der gelernte Industriemechaniker nichts weiter als Motorsägen und seine Vorstellungskraft.

An der Skulptur für die IG-Metaller, die auf den Kettensägen-Künstler aus Hösseringen aufmerksam wurden, saß er etwa zwei Wochen. „Ich habe sie während meines Urlaubs gesägt“, sagt der 49-Jährige stolz.

Entstanden ist das Monument aus einem 4,50 Meter langen und 163 Jahre alten Eichenstamm. „Carving“ nennen die Kettensägen-Schnitzer ihre Kettensägen-Kunst. Und Carving verzeiht keine Fehler. Hobel und Schnitzmesser sind nicht erlaubt. Die Schriftzüge, die Bilder und Zeichnungen, einfach alles an dem Stamm ist ausschließlich mit Hilfe von Motorsägen entstanden. Die dunkle Färbung rührt von einem Gasbrenner her.

Einmal versägt und man kann von neuem beginnen.

Da seine jüngst fertiggestellte Skulptur in der Volkswagen-Stadt stehen wird, sind auf den beiden Stirn- und einer Längstseite unter anderem auch das VW-Werk, der neue VW Golf, ein VW Käfer sowie Arbeiter und Ingenieure abgebildet. „Ich wollte, dass auf dem Stamm alles untergebracht ist, was den Autobau bei Volkswagen ausmacht“, betont Löbnitz.

Fürs Carving reicht nicht nur ein gutes Händchen beim Holzsägen. „Man braucht räumliche Vorstellungskraft“, weiß der Kettensägen-Künstler. Alle seine Skulpturen, vorwiegend sind es Tierfiguren wie Eulen, Adler und Pferde, hat er zuvor auf Papier gezeichnet.

4,50 Meter lang und mehr als 10 Tonnen schwer ist der Eichenstamm. Sein Kunstwerk wird in Wolfsburg enthüllt. Die beiden Stirnseiten und eine Längstseite sind mit „Schnitzereien“ versehen.

Das eigentliche Carven, also Bearbeiten der Holzstämme mit der Motorsäge, ist „richtig angestellt eigentlich gar nicht so schwer“, meint Löbnitz. „Das Eigengewicht der Sägen verrichtet die meiste Arbeit.“ Auf die Frage, wie er denn an einen fast 5 Meter langen und im Durchmesser 1,10 Meter mächtigen Eichenstamm gekommen ist, lächelt Löbnitz. „Das habe ich den örtlichen Waldmärkern zu verdanken“, sagt er. Weil er der Waldmärkerschaft einst eine Wolf-Skulptur gesägt hat, versorgte die ihn, nachdem sie von der ehrgeizigen Idee erfuhr, mit dem Rohling für sein IG-Metall-Monument. „Aber nicht nur den Waldmärkern, auch meiner Frau Ursula habe ich viel zu verdanken“, unterstreicht Löbnitz. „Sie unterstützt mich bei meinem Hobby, wo sie nur kann.“

Um sich zu verdeutlichen, wie schwer der Baumstamm eigentlich ist, braucht man nur auf den Boden darunter zu schauen. Die Standbeine des Verladekrans, der den Stamm vor Wochen auf ein Grundstück neben Löbnitz’ Haus transportierte, haben die darunterliegenden Holzscheiben tief ins verdichtete Erdreich gestemmt. „Die waren einfach weg“, erinnert sich der Hösseringer.

Das sehr hohe Gewicht der Skulptur ist auch der Grund, warum Löbnitz sein Kunstwerk noch nicht komplett enthüllt und übergeben hat. Die Stadt Wolfsburg ist dabei, die Gründung des zukünftigen Standorts auf die nötige Festigkeit zu prüfen und gegebenenfalls nachzubessern.

Den Transport von Hösseringen nach Wolfsburg übernimmt VW. „Ich warte nur noch auf das Ok“, freut sich der Hobby-Künstler.

Löbnitz denkt auch schon insgeheim an einen neuen Giganten und grinst: „Vielleicht schnitze ich irgendwann Niedersachsens größte Eule. Ich bin mir sicher, die würden sich die Leute angucken.“

Von Michael Koch

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