Gerdaus und Eimkes Pastor Michael Kardel hört auf / Abschiedsgottesdienst am 12. Juni

Der Hirte sagt den Schäfchen adieu

+
Michael Kardel, hier vor der Gerdauer Kirche, fällt der Abschied nicht leicht. Seit 2005 war er Pastor von Gerdau, seit 2007 auch von Eimke. Nun zieht es ihn in die Nähe von Bremervörde.

Gerdau/Eimke. Eben noch erzählt Pastor Michael Kardel von seiner Arbeit in den Kirchengemeinden Gerdau und Eimke, da ertönt plötzlich Schafgeblöke.

Eine Herde Heidschnucken vor dem Fenster der Pfarrhauses? Irrtum, es ist der Klingelton von Kardels Handy, das gerade angerufen wird. „Das Blöken habe ich mal auf dem Deich in Fehmarn aufgenommen“, erzählt der Pastor und fügt lachend hinzu: „Ich sage immer: ,Meine Schäfchen rufen mich. ‘“.

Als ein Hirte für seine Gemeinden, so hat sich Kardel in den vergangenen zehneinhalb Jahren verstanden. Doch seit gestern ist das Gerdauer Pfarrhaus verwaist. Der Umzugswagen hat Kardels Habseligkeiten mitgenommen und nach Hipstedt im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven transportiert. Denn dort tritt der 57-Jährige seine neue Pastorenstelle an.

Seit November 2005 bekleidete er sein Amt in der St.-Michaelis-Kirchengemeinde in Gerdau, seit Juni 2007 zusätzlich in der St.-Marien-Gemeinde in Eimke. „Ich habe hier tolle Menschen kennengelernt. Viele haben mir gesagt, sie bedauern es, dass ich weggehe“, berichtet der gebürtige Kieler. Doch den Wechsel nach Hipstedt habe er sich gut überlegt. „Ich habe noch zehn Jahre Dienst vor mir und möchte mich einer neuen Herausforderung stellen.“ Die Stellenausschreibung für Hipstedt habe ihn förmlich „angesprungen“. Die dortige Kirchengemeinde – etwa so groß wie Gerdau – sei der „Willow Creek“-Bewegung verbunden. Deren Ziel sei, sich kirchenfernen Menschen hinzuwenden und ihnen neue Angebote zu machen, die sich von den traditionellen Inhalten des Glaubens unterscheiden.

Die direkte Ansprache an die Gemeinde ist Kardel sehr wichtig. „Ich versuche, die Menschen auf der Kanzel mitzuziehen und ihnen Hoffnung zu geben“, beschreibt er seine Leidenschaft fürs Predigen. Gleiches gelte für die Seelsorge. Einmal musste er einer Mutter die Nachricht überbringen, dass ihr Sohn tödlich verunglückt ist. Lange habe er sich mit ihr unterhalten und gebetet. „Da habe ich gemerkt: Das ist der Ort, wo wir als Kirche gefragt sind.“

Nicht verhehlen will Kardel, dass ihn die Vielzahl seiner Ämter im Kirchenkreis Uelzen mitunter stark belastet habe. Neben seiner Pastorenstelle war er zuletzt zweiter stellvertretender Propst und Vorsitzender des Kindertagesstättenverbandes. Er habe gemerkt, dass es schwierig sei, das alles unter einen Hut zu bringen. In Hipstedt könne er sich dagegen auf seine Pastorentätigkeit konzentrieren.

Kardels Stelle wird voraussichtlich ab August neu besetzt. Offiziell verabschiedet wird er von Propst Jörg Hagen am Sonnabend, 12. Juni, ab 17 Uhr im Gottesdienst in der Gerdauer Kirche. Dann bleibt Kardels blökendes Handy aber mit Sicherheit ausgeschaltet.

Von Bernd Schossadowski

Kommentare