Beim Helfen im Haushalt blieb es nicht: Ilse Teichmann ist der gute Geist bei Familie Behn in Räber

Hausmädchen seit 60 Jahren

Jürgen Behn (von rechts) und Ilse Teichmann, Edeltraut Behn und Berthold Murawa, der auch schon 25 Jahre auf dem Hof arbeitet.

Räber. „Du kennst sechs Generationen aus meiner Familie. “ Jürgen Behn mag es kaum glauben und doch ist es die Wahrheit: Als Ilse Teichmann als Hausmädchen in seine Familie kam, lebte seine Urgroßmutter noch.

Und heute, nach 60 Jahren, hat Ilse ihre Freude an den Enkelkindern von Jürgen. Die Beiden verbindet eine innige Zuneigung. „Wir haben Freud und Leid miteinander geteilt“, fasst es Jürgen Behn zusammen und deshalb ist das Fest zum 60. Dienstjubiläum von Ilse Teichmann auch ein großes Familienfest bei den Behns in Räber.

Ilse Teichmann kam am 15. April 1952 als Hausmädchen auf den Hof Behn, 20 Jahre alt war sie damals. 1932 in Oldendorf geboren wuchs sie bei Oma und Opa in Bahnsen auf. Nach ihrer Schulzeit nahm sie eine Stelle als Hausmädchen in Hermannsburg an, dann arbeitete sie bei Bäcker Berge in Uelzen. Aber „da gab es wenig zu essen“, erinnert sie sich – und auch das war ein Grund, weshalb ihre Großmutter sich auf den Weg nach Räber machte, als sie von der Hausmädchenstelle gehört hatte. „Sie hat das dann klargemacht“, erinnert sich Ilse. An ihren ersten Tag in der neuen Stelle kann sie sich noch genau erinnern: „Ich sollte dort hinten das Gras harken“, zeigt sie im Garten.

Ilse fühlte sich gleich wohl in Räber – und das hat sich bis heute nicht geändert. Beim Helfen im Haushalt blieb es natürlich nicht, denn in einer Bauernfamilie heißt es für alle „raus aufs Feld“, wenn die Zeit gekommen ist. Rüben verziehen, Rüben hacken, Kartoffelernte, Steckrüben pflanzen, Runkeln ernten, Porree und Bohnen – was eben zu tun ist im Jahreslauf. Außerdem waren die Tiere zu versorgen, Kühe, Schweine, Küken – mit einem Wort, in Haus und Hof war das ganze Jahr über viel zu tun. Auch nach der Geburt ihres ersten Sohnes Klaus arbeitete Ilse weiter im Haushalt Behn mit, längst schon gehörte sie zur Familie. Ihren Mann Kurt hatte sie „beim Tanzen in Dehrmanns Gasthaus“ in Bahnsen kennengelernt. Nach dem Krieg in Gefangenschaft geraten, war Kurt die Flucht gelungen. Der Leipziger kam bei Bauer Dehrmann in Bahnsen unter und blieb in der Heide. „Das Wichtigste damals war das Essen und Trinken“, erinnert sich Ilse. Na ja, und die Liebe. Kurt und Ilse heirateten und bezogen ihre erste Wohnung im Hause Behn in Räber. Dort wurde auch Tochter Ingrid geboren. Als Familie Behn ein größeres Haus nebenan baute, wurde dort auch eine Wohnung für Ilse und Kurt eingerichtet – Ilse wohnt heute noch dort, 50 Jahre sind seit ihrem Einzug vergangen. Ilse, die ihren Platz auf dem Hof immer beibehalten hat, ist bis heute eine aktive Frau, der die 80 Jahre überhaupt nicht anzumerken sind. Eine „barmherzige Samariterin“ nennt Jürgen Behn sie, die immer für andere da ist, egal, ob nun eine Fahrt zum Frisör oder zum Zahnarzt oder einfach nur Hilfe beim Saubermachen benötigt wird. „Wenn ich dann 90 bin, seid ihr 70 und so geht es immer weiter“, meint sie.

Der Mittwoch allerdings ist belegt: „Mittwochs gehe ich immer zu Oma Behn“, erzählt sie. Ein Schwätzchen steht dann an, das ist obligatorisch. Fit hält sie sich durch Bewegung: „Morgens laufe ich zwei Kilometer oder ich fahre mit dem Rad. Ich muss sehen, was draußen los ist.“ Was sie jungen Menschen mitgeben möchte: Dass man umsichtig ist und sich umschaut, wie es den Anderen geht.

Von Christine Kohnke

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