Thalia Theater gastierte im Museumsdorf in Hösseringen mit „Dracula“

Grusel mit Fledermaus im Brümmerhof

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Matthias Leja überzeugte mit Wandlungsfähigkeit und spielerischer Hingabe.

koh Hösseringen. „Gott schütze meinen Verstand und lass mich Ruhe bewahren. Sonst ist der Wahnsinn mein Los!“.

Gerade als Jonathan Harker alias Matthias Leja dank seiner unheimlichen Begegnung mit drei ebenso reizvollen wie Angst einflößenden Damen um seinen Verstand ringt, flattert eine Fledermaus durch die große Diele des Brümmerhofes. Perfektes Timing für die gut 50 Gäste, die sich im Haupthaus des Brümmerhofes zum Theaterabend eingefunden hatten, um eine Premiere im Museumsdorf Hösseringen zu erleben: Zum ersten Mal gastierte das Hamburger Thalia Theater im Herzen der Lüneburger Heide. Das Gastspiel ist Teil einer Tour zu besonderen Spielorten in Norddeutschland, die in Zusammenarbeit mit der Metropolregion Hamburg ins Leben gerufen wurde. Neben dem Archäologischen Zentrum Hitzacker und dem Museumsdorf Hösseringen steht demnächst das Schloss Ludwigslust auf dem Programm.

In Hösseringen musste kurz vor dem Gastspiel noch improvisiert werden, da das eigentlich geplante Stück „Mata Hari“ wegen Erkrankung der Schauspielerin nicht gezeigt werden konnte. Thalia-Schauspieler Matthias Leja sprang kurzfristig ein – und falls der Eine oder Andere zunächst über die Änderung enttäuscht war, vergaß er das ganz schnell. Denn Leja bereitete seinen Zuschauern einen unvergesslichen Theaterabend. Ob in der Rolle des Londoner Anwalts, der zwecks Grundstücksverhandlungen in die schauerliche Gegend am Fuße der Karpaten reist, in der Rolle des grausamen Grafen Dracula oder lispelnd als schauerliche Dame – er überzeugte mit Wandlungsfähigkeit und spielerischer Hingabe.

Ganz allmählich baut Autor Bram Stoker, nach dessen Buch „Dracula“ dieser Abend konzipiert wurde, Spannung auf. Bereits im Zuge der ausführlich beschriebenen Hinreise bekommt der Zuhörer eine Ahnung des Grusels, den er gemeinsam mit Jonathan Harker erleben wird. Und während Harkers Kutsche immer tiefer in das gespenstische Transsilvanien vordringt, legt sich die Dämmerung auch über das Museumsdorf und die nächtlichen Bewohner des Brümmerhofes erwachen. Endlich trifft der Reisende auf dem Grafenschloss ein und lernt den Hausherren kennen. Der reicht ihm „eine Hand, so kalt wie Eis“, sein Gesicht ist grausam und mit seiner Blässe, den farblosen Augen und blutroten Lippen gleicht es dem eines Raubvogels. Es dauert nicht lange, da merkt Harker, dass er nicht Gast, sondern Gefangener des Grafen ist. Und die Wölfe heulen im Hintergrund...

Wie gut, dass die Zuhörer im Brümmerhof dank der Umsicht der ehemaligen Bewohner des Hauses um ihre Sicherheit nicht fürchten mussten. Noch heute hängt unter der Ulenflucht des Giebels ein Ochsenschädel, der das Haus beschützen soll. So wie der Ochse einst den Brümmerhofbauern in letzter Sekunde mit seinem Gebrüll vor den Wölfen gerettet hat.

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