Gemeinden setzen Zeichen

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Hören diese Zahnräder auf, ineinander zu greifen? Die Gerdauer und Eimker Räte stimmen für Auflösung der Samtgemeinde Suderburg.

Gerdau/Eimke. Mehrheitlich für die Auflösung der Samtgemeinde Suderburg stimmten am Montagabend die politischen Vertreter der Gemeinden Gerdau und Eimke. Im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Gerdauer Gasthauses Wellmann wurde von den Gemeinderäten aus Gerdau und Eimke leidenschaftlich über die Zukunft in der Samtgemeinde Suderburg diskutiert. Von Jörn Nolting

Ein Zeichen setzen wollen die beiden Gemeinden mit ihren Beschlüssen, sagte Eimkes Bürgermeister Dirk-Walter Amtsfeld (CDU) gestern im AZ-Gespräch. Für die beiden Gemeinden ist der Erhalt der jetzigen Struktur „oberstes Ziel“ sagte Gerdaus Bürgermeister Otto Schröder (CDU) in seinem Plädoyer während der Sitzung. Ehrenamtliches Engagement soll erhalten bleiben und „wir wollen entscheiden, was wir mit unserem Geld machen“, so Schröder. Eine Samtgemeinde mit unter 7000 Einwohnern arbeitet seiner Meinung nach nicht mehr ergiebig. Sozialdemokrat Wilhelm Johannes hält die Zerschlagung der Samtgemeinde für „äußerst bedenklich“. Man solle dafür nicht persönliche Dissonanzen nutzen.

„Die Zerschlagung der Samtgemeinde findet auch bei der Bildung einer Einheitsgemeinde statt“, warf Amtsfeld ein. Und überhaupt stand am Ende die zentrale Frage im Raum: Einheitsgemeinde oder Fusion? „Wir haben Vorstellungen und kleben nicht an unserem Posten“, unterstrich Eimkes Bürgermeister. Man wolle eben nicht den Zug verpassen und noch Fusionsgespräche mit Ebstorf führen. Auch Gerdaus stellvertretender Bürgermeister Stefan Kleuker (CDU) will an einer neuen Samtgemeinde mitentwickeln: „Wir haben das Vertrauen in die Samtgemeindeverwaltung verloren, denn es wurden Beschlüssen gegen eine Einheitsgemeinde gefasst und Fusionsgespräche gefordert, sonst werden wir einer anderern Einheit zugeschlagen.“ Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz musste viel Kritik einstecken. Doch er durfte sich auch zur Wehr setzen: „Ich verstehe die Vorwürfe nicht. Es gibt eben nun mal zwei Lager – Fusion und Einheitsgemeinde.“ Fusionsgespräche mit Ebstorf wurden abgebrochen, weil die Ebstorfer lediglich wissen wollten, ob die Suderburger fusionieren wollten oder nicht. Ein Datenabgleich fand nicht statt. „Ich persönlich empfinde es als Affront, wenn Sackgassenstimmung verbreitet wird“, sagte Schulz. Zwar entwickelt sich die finanzielle Situation der Samtgemeinde zum besseren, aber auf einen gemeinsam Nenner was die Zukunft betrifft, kommen die Gemeinden nicht.

Doch Amtsfeld und Schröder sehen gerade in der finanziellen Lage große Unterschiede in den Gemeinden. „Eine Einheitsgemeinde geht einher mit einer Entmündigung und Enteignung für Eimke und Gerdau“, spitzte Amtsfeld es zu. Er sieht dann keine Chance mehr für eine Mitgestaltung. Außerdem muss mit Steuererhöhung und Regenabwassergebühren gerechnet werden. „Dann müssen alle mehr bezahlen.“ Sorgen um das Ehrenamt macht sich Wilhelm Johannes nicht. Zwar gehe das politische Ehrenamt in einer Einheitsgemende verloren, aber das Ehrenamt in den Orten nicht. Außerdem bekäme jede Ortschaft einen politischen Vertreter. „Dann sitzen im Rat mehr Vertreter aus den Dörfern als aus Suderburg“, erklärte Johannes. Doch was das Ehrenamt betrifft, haben Schröder und Amtsfeld eine andere Meinung. Klar ist, dass die Gemeinden unterschiedliche Auffassungen haben: Die Suderburger sind einstimmig für eine Einheitsgemeinde, die Gerdauer und Eimker bevorzugen eine Fusion. Eine Einigung scheint nicht in Sicht.

Die Einwohner, die an der Diskussion teilnahmen, hielten sich anfangs bedeckt mit Nachfragen. Rudolf Gade aus Dreilingen schlug vor, doch die Bürger via Internet zu beteiligen und zu befragen. Hanna Barg aus Gerdau sprach vermutlich vielen aus dem Herz, als sie sagte: „Ihr seid von uns gewählt, also reißt euch zusammen und macht was drauß.“ Am Ende stand der Beschluss im Raum, der besagt, dass die Gemeinden Gerdau und Eimke die Samtgemeinde auffordern, eine Austritt aus diesem Gebilde zu ermöglichen. Den drei Gemeinden soll aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen ermöglicht werden, getrennte und eigene Wege zur Zukunftgestaltung zu suchen. Mehrheitlich stimmten die Ratsvertreter für diesen Beschluss. Dagegen vortierten jeweils die Sozialdemokraten.

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