Straße „In der Worth“: Gerdauer Rat entscheidet morgen über Gang vor den Richter

Gemeinde gegen Gerichtsurteil?

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Kein öffentlicher Weg: die Straße „In der Worth“ in Gerdau. Das Verwaltungsgericht Lüneburg hat bereits ein Urteil gefällt. Doch nun kann die Gemeinde Rechtsmittel einlegen.

Gerdau. Die Sonne scheint und die Temperaturen klettern weit über 25 Grad Celsius. Es ist Sommer – auch in Gerdau. Doch zwischen Stefan Kleuker und einigen seiner Nachbarn herrscht Eiszeit. Der Grund ist 120 Meter lang und hat den Namen „In der Worth“.

Gemeint ist damit die Straße, die direkt über das Grundstück von Stefan Kleuker führt, teilweise als Kopfsteinpflaster. Früher holperten Wagenräder der Kutschen über das Stück Straße, heute benutzen sie vorwiegend die Anlieger der hinter dem Hof liegenden Häuser.

Doch das Verwaltungsgericht Lüneburg hat vor rund einem Monat entschieden, dass die Straße eben nicht der Gemeinde gehört, sondern dem Hofbesitzer. Bis ins Jahr 1983 musste das Gericht forschen, um sein Urteil zu fällen. Bis zum 22. Juli hat die Gemeinde Gerdau nun noch Zeit, um Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes einzulegen. Deshalb hat der Gruppensprecher der SPD-Grünen-Gruppe, Wolfgang Hahnemann, den Antrag gestellt, möglichst schnell eine Ratssitzung einzuberufen. Die findet nun am morgigen Donnerstag um 20 Uhr im Gasthaus Köllmann in Bargfeld statt. „Durch das Urteil des Verwaltungsgerichtes Lüneburg wird festgestellt, dass die Straße ‘In der Worth’ für den öffentlichen Verkehr nicht gewidmet worden ist, und Herr Kleuker letztendlich frei über dieses Gelände verfügen kann“, schreibt Hahnemann in seinem Antrag. Mit dem Verlust der Straße „In der Worth“ könne die Gemeinde Gerdau den sicheren Betrieb des Kindergartens nicht mehr gewährleisten, weil der freie Zugang zum Kindergarten nicht mehr gewährleistet sei. Es gebe eine Reihe von formalen Gründen, bekräftigt der Anwohner Werner Bollhorn den Antrag von Hahnemann. Ihm und auch weiteren Anliegern sei es „ganz wichtig, die Straße benutzen zu dürfen“. Bollhorn rechnet damit, dass der Weg gesperrt werden könne, wenn die Gemeinde keinen Einspruch einlege.

Stefan Kleuker hingegen betont, dass er den Anliegern schon vor Jahren ein Wegerecht angeboten habe, aber sie nicht darauf eingegangen seien. „Daraufhin hatte ich erst die Idee, nach der Widmung zu fragen“, schildert der Gerdauer, der gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der CDU ist. „Die sachliche Ebene wurde schon vor Jahren verlassen“, bedauert Kleuker. Auf seiner Seite hat der Gerdauer das Urteil des Verwaltungsgerichts. „Bei dem über die Hofstelle des Klägers führenden Teil der Straße ‘In der Worth’ handelt es sich nicht um einen öffentlichen Weg im Sinne des Straßenrechtes“, lautet es im Urteil. Kleuker will nun „stillhalten und abwarten“, was sich am Donnerstag ergibt. Neben der Gemeinde haben übrigens auch die Anwohner die Möglichkeit, Einspruch einzulegen. Das Verhältnis zwischen Kleuker und seinen Nachbarn wird wohl aber trotz der sommerlichen Temperaturen frostig bleiben.

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