Landgericht Hildesheim verurteilt drei Angeklagte wegen erpresserischen Menschenraubes

Freiheitsstrafen für Waldarbeiter

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Hildesheim/Uelzen. Das Landgericht Hildesheim hat drei 23 bis 29 Jahre alte polnische Waldarbeiter wegen erpresserischen Menschenraubes zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie zwei Landsleute bedroht und einen von ihnen mit der „nicht ernst gemeinten“ Drohung ihn zu töten in ein Waldstück bei Sprakensehl verschleppt hatten.

Die Freiheitsstrafen liegen zwischen vier Jahren und zehn Monaten bis zu fünf Jahren und drei Monaten, wobei nach Feststellungen der Kammer der erpresserische Menschenraub in Tateinheit mit besonders schweren Raubes und besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie mit gefährlicher Körperverletzung begangen worden war.

Die polnischen Männer, die alle für verschiedene Forstbetriebe in den Landkreisen Uelzen und Gifhorn arbeiteten und sich von der Arbeit und vom Sehen kannten, waren aus Sorge um ihren Waldarbeiter-Job in Streit geraten. Die Angeklagten behaupteten noch im Gerichtssaal, dass eines der Opfer sich bei seiner Chefin abfällig über seine Arbeitsleistungen geäußert hatte. Dazu gab das Opfer zu, dass er „auf Nachfrage der Chefin“ gesagt hatte, wenn der Mann zu spät zur Arbeit gekommen war, oder er ihn trotz Krankmeldung in der Stadt gesehen habe.

Unter dem Vorwand, gemeinsam feiern zu wollen, waren die drei Angeklagten mit Wodkaflaschen am 10. Dezember 2013 zur Unterkunft der beiden Kollegen in Sprakensehl gefahren. Unter Androhung von Gewalt und mehreren Schlägen stellten sie die beiden zur Rede, verlangten Geld und Drogen und nahmen eines der beiden Opfer mit. Vor Gericht hatten die zum Teil geständigen Angeklagten erzählt, sie hätten den Mann gebeten, ihnen den Weg zu einem weiteren Kollegen zu zeigen. „Sie stießen mich in das Auto und fuhren dann in den Wald“, beschrieb allerdings der Zeuge die Autofahrt, die er mit Todesangst erlebt hatte. Bis heute leide er unter Alpträumen und gerate nachts in Panik, wenn er Motorgeräusche auf der Straße vor seiner Unterkunft höre. Außerdem berichtete er, wie die Angeklagten versucht hatten, ihm auf der Fahrt in den Wald eine Baumzange um den Hals zu legen, was die Angeklagten jedoch ebenso wie die Fahrt in den Wald abgestritten hatten.

Doch die von der Polizei zugeordneten Fahrzeugspuren im Wald bestätigten die Version des Opfers. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Alle drei Angeklagten haben noch die Möglichkeit, Revision einzulegen. Der Haftbefehl, aufgrund dessen die drei Männer schon seit ihrer Festnahme kurz nach der Tat in Untersuchungshaft sitzen, blieb bestehen.

Von Angelika Jansen

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