Auftrag vom Land: Suderburger Ostfalia untersucht Arbeitsbelastung der niedersächsischen Polizei

Forschungsobjekte in Uniform

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Wie gehen Niedersachsens Polizeikräfte mit ihren Anforderungen und Arbeitsbelastungen um? Darum geht es in dem Forschungsprojekt, mit dem das Land die Ostfalia betraut hat.

Suderburg. Viele Überstunden, wechselnde Schichten und eine hohe Beanspruchung bei den täglichen Einsätzen: Dieses Bild von der Arbeit der Polizei ist in der Öffentlichkeit weit verbreitet.

Doch entspricht es überhaupt der Wirklichkeit? Wie gehen Niedersachsens Polizeikräfte mit ihren beruflichen Anforderungen und Arbeitsbelastungen um? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts, mit dem das Landes-Innenministerium die Fakultät Handel und Soziale Arbeit der Ostfalia Hochschule in Suderburg beauftragt hat.

Prof. Dr. Anja Mensching

Das Projekt, das es in dieser Form noch nie gab, läuft vom 15. August 2015 bis zum 31. August 2017 und wird vom Land finanziert. Professor Dr. Anja Mensching, Bildungssoziologin am Suderburger Campus, und ihr Projektteam aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und studentischen Hilfskräften werden dazu eine qualitative Studie erstellen.

„Wir gehen da sehr offen heran – ohne Vorannahmen“, erklärt Mensching im AZ-Gespräch. „Dabei wollen wir uns nicht dem individuellen, sondern dem kollektiven Erleben widmen“, betont die 39-Jährige. Sprechen niedersächsische Polizeikräfte mit Kollegen über ihre Arbeitsanforderungen und Belastungserfahrungen? Und welche Praktiken haben sie entwickelt, um gemeinsam damit umzugehen? Das wollen Mensching und ihr Team in Interviews und Gruppendiskussionen herausfinden. Angesprochen sind alle Beschäftigten der Polizei – vom Kriminalbeamten bis zum Verwaltungsmitarbeiter.

Diese können sich freiwillig zur Teilnahme melden. Eine Kontakt-Mailadresse wird noch in den Polizeidienststellen bekannt gegeben. „Die Ergebnisse werden anonym ausgewertet und vertraulich behandelt“, versichert Mensching. Danach werden die Daten und Analysen dem Landespolizeipräsidium zur Verfügung gestellt und für wissenschaftliche Publikationen des Forschungsteams genutzt.

Die Studie gehört zur „Strategie 2020“, einer Modernisierungsoffensive der niedersächsischen Polizei (siehe Infokasten). Den Zuschlag für das Projekt hat die Suderburger Ostfalia deshalb bekommen, weil Mensching bereits Forschungserfahrung mit Polizeithemen hat. Die studierte Kriminologin und Sozialpädagogin hat über Hierarchie-Praktiken in der Polizei promoviert und war von 2001 bis 2004 als Projektmitarbeiterin im Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen tätig.

Für Suderburg bedeutet das Projekt einen enormen Prestigegewinn, ist Mensching überzeugt: „Das stärkt unseren Wissenschaftsstandort und ist ein Motor für die sozialwissenschaftliche Forschung, die an der Ostfalia noch ausgebaut werden kann.“

Von Bernd Schossadowski

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