Dreilingen: Wissenschaftler erklärten Projekt am Horstberg

Nur zur Forschung, nicht zum Heizen

+
Das Interesse der Bürger an der Infoveranstaltung zum Projekt am Horstberg war groß.

Dreilingen. „Die alte Bohrung soll wieder eröffnet werden, um zu zeigen, dass man so ein System der Wärmegewinnung aus der Tiefen-Geothermie etablieren kann“, erläuterte Dr. Peter Gerling, Fachbereichsleiter für Nutzungspotenziale des tieferen Untergrunds bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) den Bürgern, die am Freitagabend zu einer Informationsveranstaltung nach Dreilingen gekommen waren.

Gerling und weitere. Mitarbeiter der BGR informierten darüber, was in den nächsten Monaten auf dem seit rund sechs Jahren verwaisten Erprobungs-Gelände auf dem Horstberg geschehen wird.

Wenn das beantragte Projekt zur Wärmegewinnung aus der Tiefen-Geothermie in Kürze bewilligt sei, würden noch in diesem Jahr Wasserbeprobungen folgen, bevor dann Anfang 2016 mit dem Aufbau eines seismischen Netzwerks begonnen werde. „Danach muss die oberirdische Außenanlage saniert werden“, zeigte Physiker Dr. Torsten Tischner einen weiteren Schritt auf. Die Sanierungsmaßnahme wäre auch dann zwingend vorgeschrieben, wenn das Bohrloch verfüllt werden sollte, erfuhren die Bürger.

Zur besseren Veranschaulichung gingen Gesteinsproben durch die Reihen der Zuhörer.

Im Sommer des kommenden Jahres sollen die Bohrlochreinigung sowie die Tests der Zu- und Abflusszonen erfolgen, sodass 2017 und 2018 die weiteren Tests zur Einbohrlochzirkulation vorgenommen werden könnten. Von den Tests seien keinerlei Beeinträchtigungen der Umwelt zu erwarten, beteuern die Wissenschaftler auf besorgte Fragen der Anwohner. Nicht einmal die Geräuschbelastungen durch die isolierten elektrischen Pumpen wären erwähnenswert.

Das Einbringen von kaltem Wasser und die Förderung des über 100 Grad heißen Wassers geschähen in einem vollständig geschlossenen System in einer derartigen Tiefe, dass es mit nutzbarem Grundwasser keine Berührung gebe. Und auch die chemischen Elemente, die im Untergrund vom Gestein gelöst werden könnten, enthielten weder Quecksilber noch Schwefelwasserstoffe. „Im ganzen Bundesgebiet arbeiten Geothermie-Bohrungen schon seit über 30 Jahren störungsfrei“, betonte Tischner.

Das auf drei Jahre anlegte Forschungsprojekt ist mit rund 3,5 Millionen Euro beantragt. Bei etwa drei bis fünf Kilometern Tiefe werden Temperaturen von rund 100 Grad Celsius erwartet, erläuterten die Fachleute vom BGR. Allerdings: Die abgeführte Wärme werde man im Rahmen des Forschungsprojekts nicht nutzen können, enttäuschten die Wissenschaftler all diejenigen, die schon die leise Hoffnung hegten, künftig ihr gesamtes Dorf mit der Wärme aus der Tiefe heizen zu können.

Von Angelika Jansen

Kommentare