Bauausschuss der Gemeinde Gerdau lehnt Anträge der Sozialdemokraten mehrheitlich ab

SPD fordert Keimgutachten

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Gerdau. Gleich zwei Anträge reichten die Sozialdemokraten der Gemeinde Gerdau im Vorfeld der Sitzung des Bau-, Wege- und Umweltausschusses ein.

Es ging Wolfgang Hahnemann und seinen Genossen im Feuerwehrgerätehaus in Groß Süstedt um Grundsätzliches: Ein Antrag fordert ein Unbedenklichkeitsgutachten in Bezug auf Feinstaub und Keimbelastung beim Landkreis Uelzen für Stallbauten, die dem Bundes-Immissionsschutzgesetz unterliegen, der zweite Antrag bezieht sich auf den Einbau von Filtern bei Mastställen. Beide Anträge wurden jedoch nach kontroverser Diskussion mehrheitlich abgelehnt. Mit den Anträgen wollen die Sozialdemokraten den Bau weiterer Mastställe wie in Holthusen II (Hähnchen) oder Barnsen (Schweine) verhindern.

„Ich lehne den Antrag ab, weil es nicht unsere Aufgabe ist, so ein Gutachten zu verlangen“, begründet CDU-Ratsherr Stefan Kleuker seine Entscheidung zum Unbedenklichkeitsgutachten-Antrag der SPD. „Es ist uns wichtig, dass keine weiteren Ställe mehr gebaut werden“, reagiert Manuela Arndt von den Grünen auf Kleukers Ausführungen. Der Christdemokrat hingegen sieht die Verbraucher als Schuldige: „Die Ställe werden gebaut, solange der Verbraucher das billige Fleisch nachfragt.“ Die Ausschussvorsitzende Elvira Hentschke (CDU) schlägt vor, dass die Bürgerinitiative (BI) das Keim-Gutachten fordern könne und nicht die Gemeinde. Mit diesem Vorschlag stößt sie auf Empörung bei den anwesenden BI-Mitgliedern. Sie erwarten Unterstützung seitens der Gemeinde. Empörung auch bei der Einwohnerfragestunde: Arnold Kröger aus Barnsen hat eine ganze Reihe Fragen formuliert. So will er wissen, in welcher Form sich die Ausschussmitglieder über Probleme der Massentierhaltung und deren Auswirkungen informiert hätten. Einzig Ratsherr Burkhard Krüger (CDU) antwortet. „Ich habe mich informiert. Die Zuwegung ist in Ordnung“, schickte er vorweg, um die Belange der Gemeinde Gerdau abzuhandeln. Doch dann steigt der Landwirt aus Holthusen II in die Debatte um multiresitente Keime ein: „Zehn Prozent aller Menschen tragen MRSA-Keime in sich. Entweder sind sie immer gefährlich oder nicht. Wenn sie gefährlich sind, dann können Lehrer, die MRSA-Keime in sich tragen, theoretisch Kinder anstecken.“ In diesem Moment meldet sich auch Eckehard Niemann, Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. „Wir brauchen Fachleute und keine Agitatoren“, kommentiert Krüger die Wortmeldung, ehe der Ausschuss abstimmte, Auswärtige nicht zu Wort kommen zu lassen. Während Krüger betont, dass MRSA-Keime auch durch Händeschütteln übertragen werden können, ging es den Einwohnern um die Frage, ob die Gemeinde Ställe will oder nicht. „Es geht in diesem Ausschuss ausschließlich um die Tatsache, ob die Erschließung gesichert ist oder nicht“, unterstreicht Hentschke. Und Kleuker ergänzt: „Würde der Rat der Gemeinde das Einvernehmen verweigern, kann sich der Landkreis Uelzen darüber hinwegsetzen.“ Die weiteren Fragen von Kröger will die Verwaltung vertreten durch Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz prüfen. Die SPD-Anträge wurden jeweils mit vier CDU-Stimmen abgelehnt, nur Hahnemann und Arndt stimmten dafür.

Von Jörn Nolting

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