Möglicher Hallenbau stößt bei Infoabend auf scharfe Kritik der Anwohner

Flugplatz Barnsen: „Prestige-Objekt des Landkreises“

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Beim Flugtag auf dem Barnser Flugplatz herrscht jedes Jahr Hochbetrieb. Künftig soll es Privatpersonen ermöglicht werden, auf dem Gelände weitere Flugzeughallen zu bauen.

Barnsen. „Wir Anwohner haben den ganzen Ärger. “ Die Aussage eines Bürgers auf der Infoveranstaltung zur Zukunft des Flugplatzes Barnsen brachte den geballten Unmut der Anwesenden zum Ausdruck.

Zwar nahmen am Montagabend nur 16 Bürger an der Versammlung teil, doch viele von ihnen äußerten sich kritisch über die Möglichkeit, dass auf dem Gelände nordöstlich von Barnsen weitere Flugzeughallen gebaut werden könnten (AZ berichtete).

„Mehr Hallen bedeuten mehr Flugzeuge und mehr Besucher“, warnte Anwohner Hermann Meyer vor zunehmendem Verkehr im Ort. Das Gelände sei seit den 1970er-Jahren schrittweise erweitert worden. „Wo ist die Grenze?“, fragte Meyer und vermutete ein „Prestige-Objekt des Landkreises“. Verärgert sind viele Barnser auch darüber, dass regelmäßig Flugzeuge über dem Ort kreisen, obwohl das verboten ist. Das Personal im Tower nehme die Beschwerden der Bürger nicht ernst, das Überfliegen werde nicht abgestellt, monierte eine Zuhörerin.

Dagegen betonte Andreas Scheerer, Vorsitzender des Flugsportvereins Cumulus Uelzen, dass die Flugbewegungen auf dem Gelände in den vergangenen 25 Jahren nicht zugenommen hätten. „Wir wirken auf unsere Mitglieder ein, dass sie sich rücksichtsvoll verhalten“, sagte er. Dass Cumulus-Sportler über Barnsen fliegen, schließt Scheerer aus. Und sollte es tatsächlich Grund zu Beschwerden geben, könnten sich die Bürger an die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Wolfenbüttel wenden, empfahl Kreis-Baudezernent Frank Peters.

Den Anwohnern ist ebenfalls ein Dorn im Auge, dass viele Autos auf der Zufahrt zum Flugplatz deutlich zu schnell unterwegs sind. Gemeindebürgermeister Stefan Kleuker schlug daher vor, dort Tempo 30 anzuordnen und das auch zu kontrollieren.

Doch warum soll mit einer Änderung des Bebauungsplans überhaupt die Möglichkeit eröffnet werden, dass Privatpersonen auf dem Gelände weitere Flugzeughallen bauen können? Das wollte ein Zuhörer wissen. Damit solle die städtebauliche Entwicklung des Geländes gesichert werden, erklärte Peters und stellte klar: „Der Flugplatz Barnsen ist ein wichtiger Standortfaktor für den Landkreis. Wir wollen ihn entwickeln, damit er nutzbar bleibt.“ Anfragen für den Bau von Hallen liegen Peters derzeit aber nicht vor.

Das Ziel des Vereins sei, Planungssicherheit auf dem Flugplatz zu haben und die Unterbringung der Flugzeuge qualitativ zu verbessern, sagte Cumulus-Vorsitzender Scheerer. „Neue Hallen bedeuten nicht automatisch mehr Flugzeuge“, meinte Bürgermeister Kleuker. Das bezweifelten jedoch einige Zuhörer. Und so appellierte Hermann Meyer an den Landkreis: „Mit dem Status quo auf dem Flugplatz kann ich persönlich leben. Sorgen Sie dafür, dass es nicht mehr wird.“

Von Bernd Schossadowski

Kommentar

Bürgernahe Lösung

Von Bernd Schossadowski

Es ist eine Angelegenheit, die von beiden Seiten Zugeständnisse verlangt: Zum einen möchten die Mitglieder des Flugsportvereins Cumulus ihr Hobby betreiben. Zum anderen haben die Einwohner von Barnsen einen Anspruch darauf, dass ihre Ruhe nicht durch Flugzeuge gestört wird, die verbotenerweise über dem Ort kreisen. Hier gilt es, eine unbürokratische, bürgernahe Lösung zu finden. Der Verein sollte streng darauf achten, dass die Flugvorschriften eingehalten werden. Und der Landkreis sollte zum Ansprechpartner für mögliche Beschwerden der Bürger werden. Der Verweis der Kreisverwaltung, dass dafür eine Behörde im fernen Wolfenbüttel zuständig sei, ist da nicht wirklich hilfreich.

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