Abendlicher Bürgerprotest zwischen Bohlsen und Hansen

Fackeln gegen die Y-Trasse

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Mit einem abendlichen Fackelmarsch protestierten rund 200 Bürger aus Bohlsen und Hansen gegen eine Variante für die Y-Trasse der Bahn, die nur wenige hundert Meter am Dorf vorbeiführen würde.

Bohlsen/Hansen. Der Schrecken rollt schon durch die Feldmark. Der Autofahrer drückt unwillkürlich auf die Bremse, wenn plötzlich neben Anti-Trassen-Kreuzen zwischen Bohlsen und Hansen ein ICE auftaucht.

Die Bürger der beiden Ortschaften wehren sich gegen die Pläne der Deutschen Bahn für eine mögliche Neubau-Trasse über das Tal der Gerdau. Am Sonnabend verliehen sie ihrem Protest mit einem Fackelmarsch in der Dämmerung Nachdruck.

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Im Frühjahr war bekannt geworden, dass die Bahn Alternativen zur sogenannten Y-Trasse zwischen Bremen, Hamburg und Hannover erarbeitet. Eine der Varianten lässt Ralf Meyer keine Ruhe. Er zeigt auf den Waldrand. Eine mögliche Trasse führt nur wenige hundert Meter am Dorf vorbei. „Die Tallage wird durch hohe Lärmschutzwälle zerstört, die Anbindung zum Uelzener Stadtwald wäre dahin und der Lärm wohl unerträglich“, befürchtet der Bohlsener, der „wie alle hier“ für einen Ausbau der vorhandenen Schienenwege ist.

„Es wird Zeit, dass denen in Berlin mal ein Licht aufgeht“, lässt Horst Weigelt den Sinn des Fackelzuges mit einem Schuss Ironie erkennen. Als Sprecher des Bohlsener Dorfausschusses hat er diese Aktion mit organisiert und freut sich über die gute Beteiligung. „Wir wollen damit keine Partei ergreifen für Bürgerinitiativen oder Politik, sondern einfach nur unsere Betroffenheit zeigen, weil diese Planungen erhebliche Einschränkungen und Belastungen mit sich bringen.“

Als Weigelt am Speicher das Startzeichen zum Marsch gibt, brechen zeitgleich auch in Hansen Fackelträger auf, um sich mit den Bohlsenern auf der Anhöhe, wo der ICE-Nachbau steht, zu treffen. Am Ende versammeln sich 200 Bürger. Es herrscht Betrieb wie auf einem Bahnhof.

Frauen aus Bohlsen sorgen auch dafür, dass es am Ende des ICE einen „Speisewagen“ gibt. Sie haben eine Molle voll mit Laugen-Kreuzen gebacken. Am Ende sind es zu wenig. „Mit so vielen Leuten haben wir nicht gerechnet“, entschuldigt sich Claudia Oetzmann-Franke. „Dieser Zusammenhalt ist ein weiteres klares Signal gegen die Planungen der Bahn“, stellt Horst Weigelt fest. Auch Hansens Ortssprecher Tobias Schütte ist überzeugt, dass die Bürger „ein sichtbares Zeichen des Protestes“ gesetzt haben.

Von Ulrich Bleuel

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