Weil es in den vergangenen Wochen zu wenig geregnet hat, schauen Pilzliebhaber bisher in die Röhre

Durststrecke für Pilzsammler

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Magere Ausbeute: Der einzige Pilz, den Martina Borchardt bei ihrem Rundgang durch den Wald am Museumsdorf in Hösseringen gefunden hat, ist ein giftiger Kartoffelbovist.

Hösseringen. Nachdenklich streift Martina Borchardt über den Parkplatz am Museumsdorf in Hösseringen. Sie deutet auf einen Grünstreifen direkt vor den Parkbuchten. „Normalerweise steht hier um diese Jahreszeit alles voller Pilze“, erklärt die 62-Jährige.

Aber in dieser Saison schauen die Liebhaber der Kahlköpfe bisher in die Röhre. Wegen des fehlenden Regens in den letzten Wochen und Monaten sind bisher so gut wie keine Pilze gewachsen.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Martina Borchardt, die für den Tourismusverein Suderburger Land arbeitet. Schon als kleines Kind ist sie mit ihrem Großvater zum Pilze suchen in den Wald gegangen. Seit über 15 Jahren veranstaltet Martina Borchardt im September und Oktober Pilzwanderungen im Wald, der an das Museumsdorf angrenzt.

Zwei Stunden lang streift sie bei diesen Wanderungen mit ihrer Gruppe durch den Wald, sammelt Maronen, Steinpilze, Fette Hennen, Butterpilze und Pfifferlinge. Dann wird die Ausbeute geputzt, bevor alle Pilze in der Pfanne zubereitet werden. Dabei achtet Martina Borchardt ganz genau darauf, dass nur ungiftige Pilze im Korb und vor allem später in der Pfanne landen.

Diese Gefahr konnte bisher noch gar nicht aufkommen. Im Landkreis Uelzen gab es in den letzten drei Monaten nur die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags, weiß AZ-Wetterfrosch Zaki alias Reinhard Zakrzewski. Das sind 100 Liter pro Quadratmeter zu wenig. „Pilze brauchen zum Wachsen eine feuchte Umgebung“, erklärt Martina Borchardt. Die Folge: Wo sich sonst im Wald essbare Pilze nur so tummeln, steht in diesen Tagen kein einziger.

Eine Stunde lang läuft Martina Borchardt durch den Wald, den sie kennt wie ihre Westentasche. „Ein- bis zweimal pro Woche schaue ich nach, ob nicht doch ein paar gewachsen sind,“ erzählt sie. Aber sie ist wieder umsonst gekommen. Der einzige Pilz, den sie findet, ist ein giftiger Kartoffelbovist.

Bisher konnte keine einzige der acht Pilzwanderungen stattfinden. „Viele Leute kommen aus Hamburg oder dem Ruhrgebiet“, berichtet sie. „Manche haben sich seit Monaten auf die Tour gefreut.“ Allen Teilnehmern musste Martina Borchardt bisher absagen. Auch die für Donnerstag geplante Wanderung fällt aus. Ob die Tour nächstes Wochenende stattfindet, ist mehr als fraglich. Einen Funken Hoffnung hat Martina Borchardt noch. Dafür wünscht sie sich nur eins: Regen.

Von Sandra Hackenberg

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