Durchnässt und gestochen

Mit Hüftschwung Herzen erobern: Auch das junge Publikum kam am Hardausee auf seine Kosten.

Hösseringen. Es ist wie verhext: kaum eine Außenveranstaltung, bei der das Wetter kein Thema ist. Nicht anders war es auch am Wochenende beim zweitägigen Open Air am Hardausee: So begann die Eröffnungsband „Fraiday“ auch gleich mit einem Pauken- bzw. Donnerschlag.

Blitze zuckten über den Hardausee und der Himmel öffnete seine Schleusen. Pech für die zu Fuß oder per Fahrrad angereisten Fans, denn diese waren erst einmal bis auf die Knochen durchnässt.

Seeidylle weniger zum genießen: Als der Himmel alle Schleusen öffnete, blieb nur die Flucht unter den Regenschirm

Als sich der Himmel wieder beruhigt hatte und „Fraiday“ mit ihrem lockeren Mix aus Rock und Pop Coversongs die ersten Füße zum Wippen brachte, galt es für Band und Fans einer neuen Herausforderung Herr zu werden: dank der schwül-feuchten Luft näherten sich Horden von Bremsen; Bier und Bratwurst lockten zudem nicht nur die Besucher, sondern auch zahlreiche Wespen an die Stände. So sah man allerorten wild um sich schlagende Menschen, durchaus auch auf der Bühne. Dort traf es Gitarrist Frank gleich doppelt: erst riss ihm eine Saite seiner Gitarre und dann bekam er auch noch einen Wespenstich in den Finger. Frontfrau „Meffi“ überbrückte solcherlei Verlegenheitspausen mit dem Slogan der nachfolgenden Band „Mofa 25“: „Trinken ist wichtig“, worauf sie spontan ein T-Shirt mit eben diesem Aufdruck geschenkt bekam.

Als „Mofa 25“ dann die Bühne enterte, waren alle Widrigkeiten vergessen. Es ist ohnehin müßig, über diese drei Vollblutmusiker noch viele Worte zu verlieren. Diese Jungs haben einfach Spaß an dem was sie tun, entsprechend war die Stimmung bereits bei den ersten Tönen kaum zu toppen. Wir wissen ja bereits: „Trinken ist wichtig“ und erfahren nun von Frontmann Ralf Ziegenbein: „Dehydration ist heilbar“. Wen wundert es da noch, dass die Mikrofonständer mit eigens angefertigten Bierflaschenhaltern ausgestattet sind.

Gute Laune in der Folge, der mitgereiste Fanclub aus Hermannsburg schwang die Plastikgitarren und eine von der Band mit Preisen belohnte Polonaise formierte sich ebenfalls. Hätten „Mofa 25“ doch bloß den Song „It Never Rains In Southern California“ aus ihrer Setlist gestrichen. Der Himmel über dem Hardausee nahm dies wohl als persönliche Herausforderung und öffnete erneut seine Schleusen, diesmal endgültig.

Aber egal, die ohnehin schon nassen Fans nahmen es mit Gelassenheit und überhaupt: wer braucht da schon einen Ozzy Osbourne in Wacken mit seiner Schaumkanone.

Von Oliver Huchthausen

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