Am Ende fehlten 20 Interessenten / Mühle bedauert Entscheidung der Haushalte

Bohlsener Nahwärmenetz liegt erst einmal auf Eis

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Ein Nahwärmenetz mit unterirdischen Rohren, hier ein Archivfoto aus dem hessischen Ort Cölbe, wollte auch die Bürger-Energie Bohlsen in ihrem Ort aufbauen. Doch die Pläne liegen mangels Interessenten vorerst auf Eis.

Bohlsen. „Aus unserer Sicht ist das ein tolles Projekt, bei dem sich ökologisch und ökonomisch Vorteile erzielen lassen.“

Dieses Einschätzung hatte Bastian Hoffmann vom Bad Iburger Büro „Ingenieur-Netzwerk Energie“ im Oktober zum geplanten Nahwärmenetz in Bohlsen abgegeben (AZ berichtete). Doch drei Monate später sieht es nicht mehr so rosig für das Vorhaben der Genossenschaft Bürger-Energie Bohlsen (BEB) aus. „Im Moment liegt es auf Eis“, erklärt Vize-Vorsitzende Sarah Schulz.

Bislang seien 70 Genossenschaftsanteile verkauft worden. Das entspreche zwar etwa 40 Prozent der Haushalte von Bohlsen, reiche aber nicht aus, um das Nahwärmenetz wirtschaftlich betreiben zu können. „Das wäre hart an der Grenze kalkuliert. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert wäre, hätten wir mit dem Rücken zu Wand gestanden“, gibt Sarah Schulz zu.

90 bis 100 Haushalte hätte die BEB für die Realisierung des Projekts mindestens benötigt. Denn die Investitionskosten hätten etwa 2,55 Millionen Euro betragen. Davon hätte die Genossenschaft einen Eigenanteil von rund 1,5 Millionen Euro durch Kredite stemmen müssen. Die restliche Summe, so die Hoffnung, wäre aus Fördermitteln finanziert worden.

Doch der Suderburger Samtgemeinderat lehnte die Übernahme einer Bürgschaft ab. Diese hätte es der BEB ermöglicht, Kredite zu deutlich günstigeren Konditionen aufzunehmen. „Das war ein kleiner Mosaikstein, aber nicht das Zünglein an der Waage“, sagt Sarah Schulz. Vielleicht sei der Zeitpunkt für den Aufbau des Nahwärmenetzes zu früh gewesen. „In ein bis zwei Jahren gibt es möglicherweise eine andere Lösung, die kostengünstiger ist“, meint sie.

Die Haushalte hätten verschiedene Gründe genannt, warum sie sich nicht an dem Projekt beteiligen wollten, berichtet Volker Krause, geschäftsführender Gesellschafter der Bohlsener Mühle. Das Unternehmen wollte die Dinkelspelzen-Pellets für die Heizzentrale liefern, in der die Energie für das Nahwärmenetz erzeugt werden sollte. „Einige Haushalte sagten, sie seien zu alt, um noch zu investieren. Andere sind im Besitz einer neuwertigen Heizungsanlage und wiederum andere hatten unbegründet abgelehnt“, schildert Krause.

Er ist enttäuscht, dass ein Teil der 40 Haushalte, die ursprünglich an dem Nahwärmenetz interessiert gewesen seien, sich ohne Begründung zurückgezogen hätten. „Aber wir sehen nach vorn. Die Bohlsener Mühle kann die Pellets auch anders vermarkten“, betont Krause. An der Suche nach realisierbaren Konzepten für Bohlsen werde sich das Unternehmen weiterhin beteiligen. Die bisher von der Mühle investierten Mittel seien nicht verloren, so Krause. „Die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben uns auf jeden Fall weitergebracht und dienen als Grundlage für alle zukünftigen Planungen von nachhaltigen Wärmeenergie-Konzepten.“

Von Bernd Schossadowski

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