Erweiterung der Biogasanlage in Böddenstedt: Bauausschuss der Gemeinde vertagt Entscheidung

Bedenken wegen Geflügelmist

+
Die baulichen Veränderungen sind minimal: Die Böddenstedter Biogasanlge soll erweitert werden, damit 2550 Tonnen mehr verarbeitet werden – darunter auch 1500 Tonnen Geflügelmist.

Suderburg/Böddenstedt. Die Größenordnung ist laut Rüdiger Lilje, Fachsbereichsleiter für Bauangelegenheiten im Suderburger Rathaus, „nicht ganz ohne“.

Nachdem der Bauausschuss der Samtgemeinde den Tagesordnungspunkt „Erweiterung der Biogasanlage in Böddenstedt“ bereits behandelt hatte (die AZ berichtete), war nun der Bauausschuss der Gemeinde an der Reihe. Schließlich ist die Gemeinde an der Erschließung und am Brandschutz beteiligt. Die Hinrichs & Schütte GbR betreiben die Böddenstedter Biogasanlage, wollen die genehmigte Anlage erweitern und die Zusammensetzung der eingebrachten Materialien ändern. So sollen künftig auch 1500 Tonnen Geflügelmist eingebracht werden.

Die Gesamtzahl der Lkw-Fahrten für die Zulieferung erhöht sich durch die Erweiterung um 900 pro Jahr. „Reicht der drei Meter breite Bohlsener Weg da aus?“, fragt Lilje in den Raum. Sowohl die Gemeinde als auch die Samtgemeinde haben die Möglichkeit, Einwände zu erheben. So kann laut Lilje die Gemeinde von der Samtgemeinde erwarten, das an der Priviligierungsgrenze Ende für den Ausbau ist.

Die größten Bedenken gibt es durch das Einbringen von Geflügelmist. Der Hühnertrockenkot wird auf einer Platte unter Folie gelagert. Axel Braun von den Grünen macht sich deshalb Sorgen, den „Hühnertrockenkot-Tourismus“ anzukurbeln. „Vielleicht ist es auch förderlich für weitere Mastställe“, befürchtet der Grüne, und deshalb solle die Gemeinde aufpassen, sich nicht den „Beelzebub“ einzuhandeln.

Da das Thema Biogasanlage auch die zahlreichen Zuhörer interessierte, ließ der Bauausschussvorsitzende Udo Depner eine Diskussionrunde zu. Die nutzten Manfred Mikulla und Borvin Wulff, um ihre Bedenken in puncto Hühnertrockenkot zu äußern. Schnell kam das Thema MRSA-Keime auf und Wulff machte darauf aufmerksam, dass die Wohngebäude eine Wertminderung durch die Biogasanlage erfahren.

Doch nicht nur Gegner und Bedenkenträger meldeten sich zu Wort, sondern auch Tobias Schütte, einer der beiden Betreiber. Schwankungen bei der Ernte und Betriebsbücher seien der Grund, weshalb die beiden Landwirte die Biogasanlage umrüsten wollen. Außerdem: „Der Gesetzgeber fördert die Verwertung tierischer Exkremente“, betont Schütte. Er hält es für die sinnvollste Verwertung von Geflügelmist. Zwar kann Schütte die Ängste und Bedenken verstehen, aber durch die Biogasanlage würden sie dafür sorgen, dass weniger Hühnertrockenkot direkt auf die Felder ausgebracht werde.

Elvira Müller äußerte ihre Bedenken, dass die Biogasanlage nun mehr stinken könnte, denn „bisher stinkt sie nicht“.

Einen Beschluss oder eine Empfehlung sprach der Bauausschuss nicht aus. Das Thema wird auch in der Gemeinde in den Fraktionen beraten und dann im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss weiter diskutiert.

Von Jörn Nolting

Kommentare