Dreilingen: Stadorf e.V. saniert Ferienparadies für behinderte Kinder und Jugendliche

Baustelle „untypisches Gasthaus“

Ein Teil des „untypischen Gasthauses“ wird entkernt – 500 000 Euro kosten die Umbauarbeiten insgesamt. Fotos: Wendlandt

Dreilingen. „Angebote für Behinderte gibt es inzwischen viele – für Menschen mit mehreren Handicaps aber eher nicht“, sagt Edmund Bode und in seiner Stimme schwingt eine Spur Sorge mit. Bode ist Geschäftsführer des Vereins Stadorf e. V., der im Landkreis Uelzen gleich fünf Einrichtungen für behinderte Menschen betreibt – alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Auch von außen wird das Gebäude zurzeit umfangreich saniert und barrierefrei umgebaut.

Das „untypische Gasthaus“ in Dreilingen nimmt behinderte Jugendliche und Kinder zeitlich begrenzt, während der Ferien auf, um deren Eltern kurzweilig zu entlasten. Derzeit gleicht das Haus des Vereins aber eher einer Großbaustelle anstatt einem Ferienparadies: Die ehemalige Kneipe muss in einige Bereichen barrierefrei ausgebaut und saniert werden. Auch die Innenausstattung und Brandschutzmaßnahmen müssen angepackt werden. „Wenn man eine solche Pflege betreibt, wie wir das machen, muss man eben bestimmte Richtlinien nachweisen. Die Auflagen haben sich da in den vergangenen Jahren verändert“, erklärt Bode. Der hintere Bau müsse entkernt und zum Teil umgebaut werden, damit er den Anforderungen der Gäste entspricht. So müssen beispielsweise besonders breite Gänge vorgehalten werden, damit auch Rollstuhlfahrer – die oft nicht nur mit einem Gefährt anreisen – genug Platz haben.

Rund 500 000 Euro werden die Baumaßnahmen in Dreilingen kosten. Die Erneuerung des Inventars wird nochmals mit etwa 150 000 Euro zu Buche schlagen. Hierzu zählt unter anderem die Anschaffung von Pflegebetten und die Ausstattung des Pflegebads, rollstuhlgerechter Spielbereich, erweiterte Kommunikationshilfen sowie die Schaffung von Aktivräumen und Erholungsbereichen, die dem aktuellen Standard entsprechen. Fördertöpfe können für die Arbeiten nicht angezapft werden. Der Verein finanziert die Modernisierung über Kredite und Spenden. Auch Sachspenden sind willkommen – die Kontaktdaten des Vereins sowie das Spendenkonto stehen auf dessen Homepage (www.stadorfev.de).

„Langfristig haben wir den Ehrgeiz, im ganzen Jahr Betreuungsplätze vorzuhalten“, sagt Geschäftsführer Bode. Derzeit werden Kinder und Jugendliche zu den Ferienzeiten bis zu 18 Tage am Stück in Dreilingen betreut. Dabei steht die Unterhaltung für das pädagogische Pflegepersonal im Vordergrund. „Die Dreilinger haben sich darauf spezialisiert, den Kindern mit einem spannenden Freizeitprogramm das Gefühl zu geben, dass sie nicht einfach abgegeben werden, damit ihre Eltern in Ruhe in den Urlaub fahren können. Die Kinder haben Spaß in unserem Haus und kommen gerne wieder“, beschreibt Bode das Betreuungs-Konzept des „untypischen Gasthauses“. Und diese Leitlinie entspreche einem generellen Umdenken im Bereich Pflege: Denn während früher Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen häufiger ins Pflegeheim gegeben worden sind, verzeichnet Bode inzwischen einen gegenläufigen Trend: „Viele Eltern nehmen die Situation an und betreuen ihre Kinder selber. Da diese Situation zum Teil sehr belastend sein kann, brauchen die Eltern Auszeiten – und die ermöglichen wir ihnen.“

Von Wiebke Brütt

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