Nach Laserangriff auf Polizeipiloten werden Zeugen in Suderburg gesucht

Attacken auf das Augenlicht

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So einen Hubschrauber vom Modell EC 135 attackierten unbekannte Täter vom Bahnhof Suderburg aus. Die Polizei hofft jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Suderburg. Für die beiden Piloten der Bundespolizei ist es am Donnerstagabend zunächst ein Routineeinsatz: Kontrolle entlang der ICE-Bahnstrecke Celle-Uelzen. Doch um 20.40 Uhr nimmt der Überwachungsflug des Hubschraubers „Pirol 640“ in Höhe des Bahnhofs Suderburg plötzlich eine dramatische Wendung:

Zwei unbekannte Täter versuchen mehrfach, die Besatzung mit einem grünen Laserstrahl zu blenden. Für die 43 und 37 Jahre alten Piloten ist das im wahrsten Sinne „brandgefährlich“: „Schon bei 0,2 Sekunden drohen irreparable Netzhautverbrennungen“, erklärt Bundespolizeisprecher Holger Jureczko.

Die Polizisten fliegen mehrfach Ausweichmanöver, schalten die Außenbeleuchtung aus und wieder ein – und werden sofort wieder attackiert. „Spätestens da war klar, dass die Angriffe nicht zufällig waren“, so Jureczko.

Die Piloten erkennen schließlich zwei Täter, die vom Bahnhof aus in ein Mehrfamilienhaus im Zentrum von Suderburg flüchten. Der Hubschrauber steht darüber – eine Bundespolizeistreife aus Uelzen ist mit Blaulicht unterwegs. Im Haus werden die Personalien von vier Personen festgestellt, aber es ergeben sich keine Hinweise auf die Täter. Warum die Täter so massiv den Hubschrauber anvisiert haben, ist unklar.

Der Hubschrauber „Pirol 640“ bricht den Überwachungsflug ab und kehrt zur Fliegerstaffel nach Gifhorn zurück. Die Bundespolizeipiloten werden sofort von einem Augenarzt untersucht; dieser stellt vorerst keine Schäden fest. Viele Laserpointer haben keinen UV-Schutz. Ihre ultraviolette Strahlung ist rund neunmal stärker als der eigentliche Laserstrahl. Es drohen nachhaltige Verletzungen, selbst wenn keine unmittelbare Blendung festgestellt wird – „dann müssen Piloten befürchten, ihre Fluglizenz zu verlieren“, so der Polizeisprecher.

Die Polizei geht davon aus, dass die Täter nicht zum ersten Mal mit den Lasern unterwegs sind und sie womöglich in Suderburg auch schon auf Passanten und Züge gerichtet haben. Die zuständige Inspektion Bremen hofft deshalb auf Hinweise aus der Bevölkerung. Sie werden gebeten, sich unter der Rufnummer (0421)16 29 95 zu melden.

Dass Laserattacken keine Streiche sind, zeigt ein Urteil aus dem Jahr 2014: Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verurteilte einen 16-Jährigen, der einen Lokführer geblendet hatte, zu 14 Tagen Arrest in einer Jugendstrafanstalt.

Erwachsenen Tätern drohen Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr.

Von Thomas Mitzlaff

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