Sei mir ein starker Fels und eine Burg

Der Boden bebte in Japan, und die Schockwellen gehen um die ganze Welt. Plötzlich ist das ferne Japan ganz nah. Die Trauer um die Opfer. Aber auch das Gefühl von Verunsicherung. Denn eigentlich gehen wir ja täglich davon aus, dass die Erde unter unseren Füßen still hält, und dass alles seinen gewohnten Gang geht. „Gott hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt“: So oder ähnlich sagen es die betenden Menschen in der Bibel gleich mehrfach (Ps. 93,1 u. ö.). Und jetzt diese Nachrichten und Bilder!

Wie damit umgehen, dass die Erde bebt und die menschlichen Sicherungen doch nicht so sicher sind? Wie umgehen mit der Trauer und der Verunsicherung? Was tun, wenn die Worte fehlen? In der vorigen Woche haben Menschen in vielen Gottesdiensten Kerzen angezündet. Sie sind zur großen Osterkerze gegangen und haben ihre kleine Kerze an die Flamme gehalten. Und dann haben sie diese Kerzen auf den Altar gestellt.

Ganz ohne Worte geschah das. Aber ich bin mir sicher: Viele haben dabei für die Opfer gebetet. An die Überlebenden gedacht. Den Bergungsteams und den japanischen Atomtechnikern alles erdenklich Gute gewünscht. Und mancher hat vielleicht auch versucht, das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Das Grund-Vertrauen, ohne das wir nicht gut leben und entscheiden können.

Nach diesem Grund-Vertrauen strecken sich auch die Beter der Bibel immer wieder aus. Ganz besonders nah ist mir jetzt ihre Bitte: „Sei [doch] ein starker Fels und eine Burg“ (Ps. 31,3).

Gunther Schendel ist Pastor in der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Oldenstadt und Groß Liedern. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch unter az-online.de/kolumnen.

Von Gunther Schendel

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