Champions League: In Kneipen und Kino treffen sich die Fans – Weinmarkt steht im Regen

Zwist zwischen Wein und Wembley

Straßenfeger Champions-League: Die Stadt steht leer. Aus den Fenstern hört man Béla Réthy.

Uelzen. Der Champions-League-Final-Samstag, unmittelbar vor Spielanpfiff: Über dem Wembley-Stadion strahlt die Sonne, in Uelzen regnet es. In Wembley kocht die Stimmung, Uelzen schläft – zumindest erweckt es den Anschein.

Zehn Minuten vor Spielbeginn herrscht gespenstische Stille in der Innenstadt – ab und an schleicht ein Auto durch die Straßen, ein Hund kläfft, ein Mann um die 20 Jahre biegt aus der Bahnhofstraße. „Keine Zeit“, ruft er. „Will schnell nach Hause, Fußball gucken“ und rennt weiter in Richtung Rathaus. Aus einem Fenstern über ihm dringt die gedämpfte Stimme eines aufgeregten Sportreporters. Uelzen schläft nicht, Uelzen schaut fern.

20.45 Uhr: Mit dem Anpfiff auf dem Spielfeld ist gleichzeitig auch Abpfiff auf dem Weinmarkt rund um die St-Marien-Kirche. Viele Stände haben bereits geschlossen, als Peter Börker noch die letzten Weingläser spült. „Es ist ar...kalt, unter zehn Grad, und es regnet den ganzen Tag“, beschwert er sich. Dass die Kundschaft an diesem Abend fernbliebe, führen er und seine Mutter Anne Börker in erster Linie auf das schlechte Wetter zurück. „Wegen des Fußballs haben wir nur ein einiges Mal in über dreißig Jahren zugemacht. Da war das EM-Endspiel Deutschland gegen Dänemark.“ Jetzt, 21 Jahre später, ist der Weinmarkt Treffpunkt für die letzten wenigen Fußball-Widerständler der Stadt – so wie Karina Koch und ihre Freundin Carola Pfau es sind. Während ihre Männer das Spiel verfolgten, wollen sie „gegen den Strom schwimmen“. Das Thema Fußball sei in der letzten Woche so präsent gewesen – „da muss man sich einfach querstellen“, sind sich die beiden Frauen einig.

Von Anna Petersen

Mehr zum Fußballabend lesen Sie in der Montagsausgabe der AZ.

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