Inklusions-Debatte um Bevenser Demenz-Dorf: Scholing will Projekt in Hannover diskutieren

Zwischen Grenze und Schutz

Heinz Meierhoff

Bad Bevensen/Landkreis. „Wir befinden uns ganz eindeutig in einem Spannungsfeld“, sagt Landtagsabgeordneter Heiner Scholing (Grüne) und nimmt damit eine Debatte auf, die sich derzeit um die Planungen eines Demenz-Dorfes in Bad Bevensen entspinnt.

Die Frage, die im Raum steht: Ist die alternative Wohnform, bei der Demenzerkrankte – verkürzt erklärt – in Wohngruppen innerhalb eines abgetrennten Areals leben, mit den Grundsätzen der Inklusion vereinbar?.

DRK-Kreisgeschäftsführer Heinz Meierhoff sagt: ja. „Man hat nur an einem Punkt den oft kritisierten eingezäunten Charakter – am Eingang sitzt jemand, der schaut, dass jeder Bewohner, der rausgeht auch wieder reinkommt“, berichtet Meierhoff, der das holländische Demenz-Dorf „De Hogeweyk“ besucht hat. Sechs bis sieben Demente leben dort ihrem bisherigen Lebensstil entsprechend und meistern ihren Alltag so selbstständig wie möglich – mit Unterstützung von Ehrenamtlichen und Pflegefachkräften. Wer sein Leben in einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld verbracht hat, der wird im Demenz-Dorf alte landwirtschaftliche Geräten im Sichtfeld, Beete und einen Teich vor der Tür vorfinden, so schilderte es Meierhoff kürzlich gegenüber Vertretern von Pflege, Kliniken, Kreditinstituten, Politik und Verwaltung, die eines einte: Das Interesse an dem Bau eines Bad Bevenser Demenzdorfes.

Auf Initiative der Kurstädter Ellen Laas und Hans-Peter Hellmanszik, die auf dem Gelände des ehemaligen Hamburgischen Krankenhauses nahe des Elbe-Seiten-Kanals ein Demenz-Dorf mit bis zu 150 Plätzen nach Vorbild von „De Hogeweyk“ realisieren wollen, waren sie zusammengekommen – unter ihnen auch Scholing. Er ist sich sicher: „Wir müssen mit Wiederständen rechnen.“ Denn der Gedanke an ein Areal, das nachts abgeschlossen und dessen Eingänge – aufgrund der Fluchttendenzen mancher Demenzerkrankter – kontrolliert werden, ist nicht für jeden mit der Inklusionsbewegung zu vereinbaren. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Inklusion zu erfüllen. Die Gefahr der Ghettoisierung wäre da, wenn das Dorf zu groß wird“, sagt Heiner Scholing und erklärt damit die Haltung des Sozialministeriums. Das hatte, nachdem Laas und Hellmanszik ihre Idee vorgestellt hatten, eine Förderung als Modellprojekt vorerst abgelehnt – wegen der Größe.

„Ich werde mich bei verschiedenen Einrichtungen schlau machen und das Thema mit in die Fraktion nehmen. Es ist eine gute Sache – und eine Herausforderung“, sagt Scholing, der vor seinem Einzug in den Hannoveraner Landtag als Förderschulpädagoge tätig war. „Wir müssen immer wieder Punkte finden, an denen sich die Einrichtung im Sinne der Inklusion öffnen kann, um einer Ghettoisierung entgegen zu wirken. Das kann ein kleines Hotel auf dem Gelände sein und ein guter Pendelverkehr in das und aus dem Demenz-Dorf. Und die Größe ist eben auch entscheidend.“

Von Wiebke Brütt

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