AZ-Serie „Das rote Band“ – Menschen aus dem Landkreis Uelzen verbinden sich / Zum Auftakt: Landrat Heiko Blume

Zwischen Doppelkopf und Strandburg

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Tritt für die erste Etappe mit dem „roten Band“ kräftig in die Pedale: Der passionierte Radfahrer Heiko Blume gibt Ein- und Ausblicke in seine Kindheit im Landkreis Rotenburg und ein ganz besonderes Treffen, das sich jährlich wiederholt.

Schlüsselerlebnisse, prägende Ereignisse? Heiko Blume hält wenige Sekunden inne. „Doch, gibt es“, sagt er nach kurzem Nachdenken, „die Kindheit an den Stadträndern von Bremervörde und Rotenburg – viel Natur, Wiesen, Felder und Weiden.

Das war schon toll und sehr behütet“, erzählt der Landrat, der seit einem Jahr im Amt und seit sieben Jahren im Landkreis Uelzen zu Hause ist. „Ich bin ein Kind Niedersachsens“, ergänzt der in Lüneburg geborene Blume.

„Morgens war Schule, dann mittags Hausaufgaben und anschließend raus. Hütten bauen in Wäldern, Fußball spielen bis zum Einbruch der Dunkelheit – Freiheit eben“, erzählt der 45-Jährige, der mittlerweile mit Ehefrau Regine selbst drei Kinder hat. Die Ganztagsschule sei damals halt noch ganz weit weg gewesen, fügt er mit einem Augenzwinkern an.

In dieser Zeit des Austobens entdeckt Blume auch den Schwimmsport. Doch irgendwie zieht es den schmächtigen Jungen Richtung Mannschaftssport. „Der Teamgeist, das soziale Verhalten untereinander – dieser Umgang mit verschiedenen Menschen hat mich damals schon interessiert“, erinnert sich der leidenschaftliche Jäger. Auch letztgenannte Passion ist bei Heiko Blume bereits in der Jugend geweckt worden. „Ich weiß nicht aus welchem Grund, aber mich hat es unheimlich gereizt, das Jagdhorn zu blasen.“ Gesagt, getan. Blume wird in jungen Jahren Mitglied bei der Jagdhornbläser-Gruppe in Visselhövede.

„Das war spannend. Auf der einen Seite mussten wir in den Wettbewerben, an denen wir teilgenommen haben, gemeinsam eine Leistung abliefern. Auf der anderen Seite wurde auch jedes einzelne Mitglied gefordert und gefördert“, blickt der ausgebildete Jurist zurück. Dieses Mitnehmen von Mitmenschen ist für Blume ein Garant für erfolgreiches Wirken. „Ich glaube, ich habe ein Gespür für die Sicht des anderen.“ Dem Gegenüber zuzuhören, ihn ernst- und wahrzunehmen – das sei eines seiner wichtigsten Anliegen. „Dabei, und das habe ich in meinen Bürgersprechstunden immer wieder festgestellt, muss ich auch klar sagen, wenn etwas nicht geht“, scheut sich Blume auch nicht vor realistischen und manchmal auch unbequemen An- und Einsichten.

Spielt seine eigene Kindheit auch heute noch eine nicht unwesentliche Rolle, so ist der Naturliebhaber mittlerweile selbst ein Vater aus Leidenschaft. „Auch wenn ich viel unterwegs und wenig zu Hause bin – sobald ich das heimische Haus in Klein Süstedt betrete, beginnt im Umgang mit den Kindern die Entspannung“, plaudert Blume aus dem Nähkästchen. Wenn die Kinder einen in Beschlag nehmen würden, müsse man auch gedanklich sofort umschalten. Dann seien die Themen wichtig, die Frau und Kinder beschäftigen würden. Fern ab vom Berufsalltag.

Dies sei im Urlaub noch ausgeprägter. „Ich liebe es, mit meinen Kindern an der Nordsee Burgen am Strand zu bauen – die dann immer wieder von der Flut fortgespült werden“, berichtet Blume von sandigen Erlebnissen. Während seine Frau in Ruhe im Strandkorb sitze und lese, würde er mit den Kindern herumtollen. „Auch wenn ich dann manchmal gerne ebenfalls ein wenig mehr Ruhe hätte“, räumt der Chef des Kreishauses ein.

Die hat Blume dann eher, wenn er nach einem langen Arbeitstag noch das Fahrrad aus dem Schuppen hervorholt und eine schnelle Runde dreht. „Ein paar Kilometer rund um die Dörfer strampeln, dann ist der Kopf wieder frei“, weiß Blume, wie er Körper und Seele im Gleichgewicht hält. In dem Zusammenhang hat der „Heidjer“ noch einen persönlichen Tipp parat: „Wenn wir im Sommer mit der Familie am Strand des Hardausees sind, ist das immer wie ein kleiner Urlaub. Das tut unheimlich gut.“

Abschalten kann Heiko Blume auch, wenn er auf der Jagd ist. „Das Umfeld beobachten, die Stille genießen – herrlich.“ Dass ihm dabei der gänzliche Verzicht auf Smartphone und Handy schwer fällt, weiß Blume. „Da bin ich noch in einem Lernprozess.“ Mit ersten Erfolgen. Denn: „Im Urlaub bleiben die Geräte aus. Rigoros.“ Wer ihn erreichen möchte, könne sich auf der Mailbox verewigen. „Wenn es wichtig ist, rufe ich auch zurück.“

Apropos zurück: Bis weit in die Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichen auch die Anfänge jener Doppelkopfrunde, die sich seinerzeit gefunden hat und heute noch einmal im Jahr zusammenkommt. Heiko Blume erzählt: „Diese Gruppe hat die Jugend überdauert. Wir sind sieben Männer, mittlerweile durch Beruf und Familie in ganz Norddeutschland verstreut. Wenn aber das Jahrestreffen mit wechselnden Gastgebern ansteht, bleibt keiner fern. Dann spielen wir die gesamte Nacht Karten, klönen, lachen, essen und schwelgen in den schönsten Erinnerungen. Die gesamte Jugend stellen wir dann noch einmal nach.“

Wenn seine Frau ihn am nächsten Morgen frage, ob es etwas Neues gäbe, könne er immer nur mit „nichts“ antworten. „Aktuelle Dinge spielen bei diesen Treffen überhaupt keine Rolle. Wir knüpfen nur an die alten Zeiten an“, freut sich Blume schon jetzt auf die nächsten Runden.

Bestehende Kontakte halten und neue knüpfen – der 45-Jährige hat Spaß am Netzwerken. Nicht nur als Privatmann, auch und gerade als Landrat in Richtung Landeshauptstadt Hannover und Hansestadt Hamburg. Das sei eminent wichtig, um den Landkreis Uelzen mit seiner ganzen Vielfalt entsprechend zu positionieren.

Diese Vielfalt würden auch die Menschen und Einrichtungen in der Heide repräsentieren. Auch vor diesem Hintergrund betont Blume bei privaten und öffentlichen Anlässen immer wieder und mit Nachdruck, wie wohl er und seine Familie sich im nordöstlichen Teil Niedersachsens inmitten der Lüneburger Heide fühlen. Dieses gilt auch für jenen Mitbürger, an den Heiko Blume in zwei Wochen „Das rote Band“ weiter reicht....

Von Andreas Becker

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