Kupferdiebesbande: Zäher Prozessauftakt gegen neun Männer am Landgericht

Zweiter Anlauf auf Serbisch

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Zwei der neun Angeklagte verdecken ihre Gesichter – sie müssen sich seit gestern vor dem Lüneburger Landgericht wegen bandenmäßigen Diebstahls von Metall verantworten. Im Februar waren sie in Uelzen auf frischer Tat gefasst worden.

Uelzen/Lüneburg. Holperiger Start für einen der größten Prozesse, die das Landgericht Lüneburg in den letzten Jahren gesehen hat: Neun Angeklagte, 13 Verteidiger, drei Richter, vier Schöffen und mehr als ein Dutzend Sicherheitskräfte haben gestern damit begonnen, sich mit dem bandenmäßigem Diebstahl von Metall in 20 Fällen auseinanderzusetzen.

Dabei erwies sich vor allem die Verständigung zwischen dem Gericht und den Angeklagten, die bis auf einen serbischer Herkunft sind, als deutliches Hindernis. Wie berichtet, waren die Angeklagten im Februar dieses Jahres bei einem versuchten Einbruch in Uelzen festgenommen worden. Ihnen werden Taten in ganz Norddeutschland vorgeworfen.

Zu einer Verlesung der insgesamt drei Anklageschriften kam der Vorsitzende Richter Matthias Steuernagel gestern beim Auftakt der Hauptverhandlung gar nicht erst. Zunächst hatten er und die 2. Große Strafkammer in etlichen Unterbrechungen diverse Grundsätzlichkeiten für die künftige Prozessführung zu klären.

So brachte einer der 13 Rechtsanwälte gleich zu Beginn verschiedene Anträge vor: Er wollte für seinen Mandanten nicht nur die Aufhebung der Haft – acht der neun Angeklagten sitzen derzeit im Gefängnis –, sondern auch die Aussetzung des Verfahrens, weil weder die Anklageschrift in serbischer und damit für seinen Mandanten verständlicher Sprache vorlag noch eine kompetente Dolmetscherin anwesend war.

Letztere wurde gestern kurzerhand noch organisiert: Nachdem zwei Übersetzerinnen verkündet hatten, ihrer Aufgabe in einem Prozess dieser Größenordnung nicht gewachsen zu sein, wurden sie durch eine fähigere Kollegin ersetzt. Darüber hinaus beantragte die Staatsanwaltschaft, die Anträge des Verteidigers zurückzuweisen – weil man im Rahmen einer Haftprüfung den Eindruck erlangt hatte, dass eine Dolmetscherin für den betroffenen Mandanten nicht erforderlich sei. Dies geschah ebenso wie die Zurückweisung des Antrags auf Haftaufhebung.

Doch der Verteidiger blieb hartnäckig: Sein Mandant habe ein formales Recht auf eine Anklageschrift in seiner Sprache, merkte er mit Verweis auf die EU-Menschenrechtskonvention an. Außerdem beantragte der Anwalt die Unterbrechung der Hauptverhandlung, weil kurzfristig die Besetzung der Hilfsschöffen gewechselt hatte, und weil Beweismittel – CDs, auf denen Mitschnitte aus einer Telefonüberwachung der Angeklagten gespeichert worden waren – nicht zu öffnen gewesen seien. Diesen Forderungen schlossen sich weitere Verteidiger an, einer wollte Abschriften der Anträge, um sich mit ihnen auseinandersetzen zu können.

Der geplante Prozessablauf mit insgesamt 24 Verhandlungstagen wurde somit gleich am ersten Tag über den Haufen geworfen. Der nächste, für Montag, 12. August, vorgesehene Termin wurde abgesagt, der nächste Verhandlungstag ist am Donnerstag, 15. August. Dann sollen ins Serbische übersetzte Anklageschriften vorliegen, ebenso wie lesbare CDs mit den Aufnahmen aus den Telefonüberwachungen.

Von Ines Bräutigam

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