Prozess wegen räuberischen Diebstahls: Frankfurter Anwalt fordert psychiatrisches Gutachten

Zweifel an Schuldfähigkeit von Eljesa B.

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Pflichtverteidiger Moritz David Schmitt (hinten) beantragte ein psychiatrisches Gutachten.

Lüneburg/Uelzen. Raubprozess vertagt, es droht eine Hängepartie: Eljesa B. wird vorgeworfen, vor der Volksbank an der Uelzener Schmiedestraße Bankkaufmann Carsten Uwe S. einen Umschlag mit Bargeld in Höhe von 1255 Euro entrissen zu haben.

Und bei der Flucht den Tätowierer Rene K. mit einem Messer bedroht zu haben (AZ berichtete). Auf Antrag des Frankfurter Pflichtverteidigers Moritz David Schmitt lässt die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg unter dem Vorsitz von Franz Kompisch am heutigen Dienstag nun ein medizinisches Sachverständigengutachten des Suchtmediziners Dr. Reinhard Dübgen von der Psychiatrischen Klinik Lüneburg erstellen, das klären soll, ob B. am Tattag aufgrund seines Kokain- und Alkoholkonsums nach Paragraf 20 des Strafgesetzbuches (StGB) schuldunfähig war. B. hatte zu Prozessbeginn gesagt, dass Kokain seine „Lieblingsdroge“ sei. Auch am Tattag habe er unter Drogeneinfluss gestanden, so der Angeklagte am ersten Verhandlungstag.

„Nachdem mein Mandant vier bis fünf „Lines“ Kokain gesnifft und zusätzlich einige Gläser Whiskey-Cola getrunken hatte, war er in seinem Rausch nicht mehr in der Lage, das Unrecht seiner Lage zu erkennen“, begründete der Anwalt seinen Antrag, der vom Gericht noch um die Prüfung auf Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt nach Paragraf 64 StGB erweitert wurde.

Staatsanwältin Susanne Dresselhaus hatte zuvor in ihrer Stellungnahme den Antrag dezidiert abgelehnt, da das Verhalten des Angeklagten „gezielt und gesteuert“ gewesen sei und alle Zeugen von „keinen Einschränkungen in den Bewegungsabläufen“ B.‘s berichtet hätten. Dass der 24-jährige Kosovare, so Dresselhaus weiter, vor der Tat Kokain konsumiert habe, sei eine „bloße Behauptung“, auch seien bei der bei der Festnahme in einer Uelzener Wohnung keine Drogen gefunden worden.

Der Prozess wird am Montag, 22. Februar, vor der 4. großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht fortgesetzt.

Von Marcus Kieppe

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