Reeperbahn-Prozess: Verteidiger spricht von Bewährungsstrafe für Uelzener

Zweifel an Beweisen

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Uelzen/Hamburg. Im Prozess um den tödlichen Überfall auf einen 44-jährigen Mann in St. Pauli hat der Verteidiger des Uelzener Mitangeklagten Arben P. gestern im Hamburger Landgericht zwei Jahre Freiheitsstrafe für seinen Mandanten beantragt.

Der 37-Jährige hatte gestanden, dass er sich in der Nacht zu Gründonnerstag 2012 einer Gruppe von Kosovo-Albanern angeschlossen hatte, die in einem Café nahe der Reeperbahn einen Landsmann überfielen – bei der Tat selbst sei Arben P. jedoch außenvor geblieben.

Durch zwei Messerstiche und Schläge mit einem Meißel war der 44-Jährige getötet worden, die Schwester des Opfers erlitt eine Schusswunde am Oberarm. Die Staatsanwältin bezeichnete den Überfall der vier Angeklagten als „Rollkommando“. Während Anwalt Siegfried Schäfer sich für Arben P. vorstellen kann, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, wie er gestern in seinem Schlussvortrag ausführte, hatte die Staatsanwaltschaft zuvor für den Uelzener zehn Jahre Freiheitsstrafe wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge beantragt, ebenso für einen weiteren Verdächtigen, den 33-jährigen Kastriot B. Die zwei anderen Angeklagten, Kreshnik L. und Asllan D. sollten aus Sicht der Staatsanwaltschaft wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Der 37-Jährige war am Tag der Tat mit Kastriot B., der sich illegal in Deutschland aufgehalten hat, von Uelzen nach Hamburg gefahren, schilderte Schäfer. Kastriot B. habe vorgehabt, in Hamburg Kokain zu besorgen. Arben P. habe eine Spielhalle aufgesucht und dort viel Geld verloren. „Rein zufällig“ hätten die Zwei schließlich auf einem Parkplatz die beiden anderen getroffen, die auf dem Weg zum Café an der Hein-Hoyer-Straße waren, ist der Verteidiger überzeugt. Kreshnik L. sei ein flüchtiger Bekannter des Uelzeners gewesen und habe die beiden um Hilfe gebeten. Sie hätten sich angeschlossen, seien jedoch vor dem Café misstrauisch zurückgeblieben. Dass jemand Waffen dabei hatte und eine Racheaktion für eine vorangegangene Auseinandersetzung zweier Familien geplant war, hätten weder Arben P. noch Kastriot B. gewusst. Die zwei Messerstiche werden Kreshnik L. zugerechnet, die Schläge mit dem Meißel Asllan D. – nun würden Beweise dafür fehlen, dass Arben P. oder Kastriot B. die Schusswaffe benutzt haben könnten, betonte Schäfer. Das Urteil will die Erste Große Strafkammer nächsten Mittwoch verkünden.

Den Uelzener Arben P. erwartet noch ein Verfahren demnächst vor dem Landgericht Lüneburg: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen ihn wegen einer Schutzgelderpressung im September 2011 in Uelzen erhoben.

Von Diane Baatani

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