Alisa Navot und Elischeva Rosenbaum aus Israel erforschen mit Dietrich Banse ihre Geschichte

Zwei Schwestern auf Spurensuche

+
Dietrich Banse zeigt den beiden Schwestern auf der Gedenktafel am Rathaus den Namen ihrer Großmutter.

Uelzen. Die Sonne strahlt und es ist bitterkalt, während Alisa Navot und ihre Schwester Elischeva Rosenbaum aus Israel vor der Gedenktafel am Uelzener Rathaus nach den Namen ihrer Vorfahren suchen.

Diet-rich Banse von der Uelzener Geschichtswerkstatt hatte Kontakt zu den beiden Schwestern aufgenommen und sie eingeladen, in Uelzen auf Spurensuche zu gehen.

„Theresa Plaut was my grandmother“, sagt Alisa Navot, als sie den Namen auf der Gedenktafel liest. Aufmerksam hören die beiden zu, als Banse ihnen Fakten, Daten und Ereignisse aus dem Leben ihrer Familie erzählt, die bis zum Zweiten Weltkrieg in Uelzen der jüdischen Gemeinde angehörten.

Dietrich Banse kennt sie alle. Er erklärt, dass auf der Tafel nur die Namen derjenigen sind, die in der Zeit ab 1933 in Uelzen lebten, als Elischeva Rosenbaum nach weiteren Namen fragt, die sie in alten Urkunden fand. Am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus erfahren die beiden Frauen, dass hier aller Menschen gedacht werde, die in der Nazi-Zeit Opfer wurden.

Alisa Navot und Elischeva Rosenbaum aus Israel begaben sich mit Dietrich Banse in Uelzen auf die Spuren ihrer Familie.

Die 68-jährige Elischeva Rosenbaum hört ruhig zu, während ihre fünf Jahre ältere Schwester mit ihren Fragen versucht, die bedrückende Stille zu vermeiden. Ihre noch rechtzeitig geflohene Mutter Anna Plaut, verheiratete Behr, verstarb kurz nach Elischevas Geburt in Palästina an Typhus. Ihre Großmutter Theresa war noch kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu ihrem Sohn nach Argentinien ausgewandert.

So wuchs die heute 68-Jährige bei ihrer Tante Lina Meyer, ebenfalls eine geborene Plaut, auf. Diese war mit ihrem Mann Ernst Meyer, einem Uelzener Bankier, schon 1938 nach Palästina ausgewandert. Intensiv pflegen die beiden Frauen den Kontakt mit ihren weiteren drei Geschwistern, von denen zwei in Israel und eines in Amerika leben. Wenn sie sich alle treffen, sei das Thema ihrer durch Verfolgung und Vertreibung zerrissenen Familie auch nach über 60 Jahren immer noch präsent, sagen die beiden bei ihrem Besuch in Uelzen.

Erinnerungsstücke wie einen Kleiderbügel vom „Textilhaus Plaut Uelzen“, den Wolfgang Mocek ihnen einmal geschenkt hatte, gibt es nur sehr wenige, erzählt Alisa Bürgermeister Otto Lukat, der die Schwestern ins Rathaus eingeladen hatte. „Der Container mit den persönlichen Sachen ist wohl auf der Überfahrt verschollen“, vermutet der Bürgermeister.

Das Einzige, was blieb, ist ein Fotoalbum, bei dem nicht mehr nachvollziehbar sei, wo die Aufnahmen entstanden sind. Nun klammern sich die beiden Frauen an die Recherchen von Dietrich Banse: Es gibt ein Foto, auf dem ihre Mutter als herausragende Sportlerin des TVU dargestellt ist. Vor dem großen Kaufhaus an der Gudesstraße zeigt Banse ihnen außerdem eine alte Fotografie des früheren Textilkaufhauses „Modehaus Plaut“, das ihrem Großvater Hugo Plaut gehörte. Auf einer weiteren Fotografie zeigt er eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1936, mit der ein neuer Besitzer explizit darauf hinweist, dass die neuen Inhaber der Firma „rein arischer Abstammung“ seien.

Von Angelika Jansen

Kommentare