Wirtschaft und Verwaltung im Kreis Uelzen hoffen auf ausländische Fachkräfte

Zuwanderung als Chance

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Andreea Goantá (links) lernt zusammen mit der Vorsitzenden der Uelzener „Aktion Gemeinschaftssinn“, Anita Thalacker, Deutsch.

Uelzen/Landkreis. Sie lebt erst seit dem 2. Dezember in Uelzen, aber ihr Deutsch ist schon ausgezeichnet. „Das liegt daran, dass ich zu Hause in Timisoara ein Jahr Deutsch mit einem Privatlehrer geübt habe“, erzählt Andreea Goantá.

Trotzdem belegt die 29-jährige Rumänin zurzeit einen Sprachkurs bei der „Aktion Gemeinschaftssinn“ in Uelzen. „Ich möchte meine Sprachkenntnisse noch verbessern“, verrät sie.

Andreea Goantá ist ein Beispiel für die Zuwanderung aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien, deren Bürger seit Anfang 2014 volle Niederlassungsfreiheit in der Staatengemeinschaft haben. Mit Armutsflucht hat der Umzug der 29-Jährigen jedoch nichts zu tun. Sie war in Rumänien Ärztin für Kinder- und Unfallchirurgie und möchte in diesem Beruf nun auch in Deutschland arbeiten. „Mein Mann ist seit Mai 2013 als Zahntechniker in Uelzen beschäftigt, ich bin ihm hierher gefolgt“, sagt Andreea Goantá. Die Zusage für ein Praktikum in einem Hamburger Krankenhaus hat sie schon in der Tasche.

Zur aktuellen Debatte über eine mögliche massenhafte Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien will sich die junge Frau nicht äußern. Allerdings glaube sie nicht, dass nun jährlich Hunderttausende nach Deutschland strömen werden.

Doch gerade in die Zuwanderung setzt Marlis Kämpfer, Leiterin der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“, große Hoffnungen. „Aufgrund der demografischen Entwicklung braucht unser Landkreis Fachkräfte – und die werden wir eher aus dem Ausland als aus dem Inland bekommen“, erklärt sie. Mit Blick auf die Wirtschaftsstruktur in der Region benötige man Menschen, die hier zum Beispiel in der Ernährungswirtschaft, im Gesundheitswesen oder in der Landwirtschaft Arbeit suchen.

Auch Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, begrüßt die Aussicht auf Zuwanderung in Deutschland. „In den nächsten Jahren brauchen wir bis zu 1,5 Millionen qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland, um den demografisch bedingten Fachkräftemangel abfedern zu können“, betont er. Dass die Hürden dafür in den vergangenen Jahren gesenkt wurden, sei gut. „Aber bei der gezielten Förderung des Zuzugs von Fachkräften müssen wir noch besser werden und an unserer Willkommenskultur arbeiten“, fordert Zeinert. Wichtig sei das Signal, dass Deutschland ausländische Fachkräfte wirklich haben wolle, „nicht nur als Mitarbeiter, sondern auch als Mitbürger, Nachbarn und Freunde“.

Angesichts des Fachkräftemangels könne „der Zuzug von Arbeitskräften den Unternehmen grundsätzlich helfen“, sagt auch Martin Theine, Pressesprecher des Landkreises Uelzen. Das gelte nicht nur für Rumänen und Bulgaren, sondern für Zuwanderer aus allen Ländern.

Langfristig in Deutschland bleiben will Andreea Goantá jedoch nicht. „Ich möchte hier gerne arbeiten, etwas Neues sehen und dazulernen“, sagt sie. „Aber danach will ich mit meinem Mann wieder nach Rumänien zurückkehren. Wann genau, wissen wir noch nicht.“

Von Bernd Schossadowski

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