Ehemalige Mieter des Celler Abriss-Hauses empört über „Messi-Vorwürfe“

„Zum Schluss war alles nass“

Uelzen. „Wir waren völlig entsetzt, als wir das gelesen haben.“ Ute Altbauer-Kallnischkies sitzt mit ihrem Mann auf dem Sofa in ihrer neuen Wohnung am Uelzener Königsberg. Anfang Juli sind sie hier eingezogen.

Sie gehörten zu jenen Mietern, die über Jahre ein Haus an der Celler Straße dermaßen verwohnt haben sollen, dass es jetzt wahrscheinlich abgerissen werden muss (AZ berichtete). Gegen solche Vorwürfe setzen sie sich entschieden zur Wehr: „Eine Frechheit ist das.“

Horst Kallnischkies und Ute Altbauer-Kallnischkies in ihrer neuen Wohnung, in die sie im Juli gezogen sind.

24 Jahre hat die Familie in dem Mehrfamilienhaus gelebt. „Wir haben in Absprache mit dem damaligen Vermieter viel selbst gemacht, etwa die Dusche und die Küche gebaut“, schildert Horst Kallnischkies. Doch vor Jahren bekam der alte Vermieter finanzielle Probleme, das Haus stand schließlich zur Zwangsversteigerung. „Seitdem wurde an dem Gebäude dann nichts mehr gemacht“, schildern die Eheleute. Dach und Schornstein wurden undicht, die ganz Wohnung feucht: „Die Nässe zog die Wände hoch, war im Fußboden, einfach überall. Und Abhilfe war nicht in Sicht“, erinnert sich Altbauer-Kallnischkies. Dutzende Interessenten für das Haus seien in den Folgemonaten durch die Wohnung geführt worden, ihnen allen müsse eigentlich klar gewesen, dass es zum Abriss keine Alternative gebe, sagen die Bewohner. Schließlich hätte die Bank den Kaufpreis mit Hinweis auf die Abrisskosten bereits um 30 000 Euro gesenkt.

Sogar ein Loch klaffte zum Schluss in der Lehmdecke.

Als vor einem Jahr das Haus schließlich doch noch verkauft wird, ist es eigentlich schon unbewohnbar. In der Lehmdecke klafft ein Loch, die Kellertreppe ist wegen der Feuchtigkeit eingebrochen, Wände sind schwarz vor Schimmel, durch die Fassade verläuft ein tiefer Riss und die Töchter jagen Mäuse quer durch die Erdgeschosswohnung. Vor einem Jahr findet sich schließlich ein neuer Hausbesitzer, er schickt den Bewohnern Kündigungen. Nach und nach ziehen die Parteien aus, Familie Kallnischkies bleibt als letzte bis in den Sommer 2011. Als dann vor wenigen Wochen der Auszug ansteht, sind die Freunde entsetzt über den Zustand der Wohnung. Der Großteil der Einrichtung ist nass und nicht mehr nutzbar.

„Die haben sich geweigert, das rauszutragen“, schildert die Ehefrau. Am Computer zeigt sie, wie die Wohnung ein Stockwerk höher zurückgelassen worden war: Dort stapeln sich die Müllberge. „Natürlich haben auch wir einiges zurückgelassen und zum Schluss nichts mehr repariert, aber wir lassen uns jetzt nicht zu den Sündenböcken für die Versäumnisse des Vermieters machen“, sagen die Kallnischkies: „Da ist viel schiefgelaufen. Uns jetzt als Asoziale hinzustellen, ist nicht in Ordnung.“

Heute schäme sie sich, nicht eher ausgezogen zu sein aus diesem „Loch“, sagt die Mutter und Ehefrau.

Von Thomas Mitzlaff

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