Zugedröhnt zur Arbeitsagentur

Prozess um brutalen Überfall in einer Wohnung an der Alewinstraße: Langes Vorstrafenregister

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Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten bewachen in diesen Wochen das Landgericht Lüneburg, Dutzende Polizisten stehen in Bereitschaft: Das Gebäude am Marktplatz gleicht wegen des Prozesses gegen verfeindete kurdische Banden einem Hochsicherheitstrakt.

Uelzen/Lüneburg. „Er wirkte deutlich alkoholisiert, ein Drogentest war positiv auf Cannabis, Herr B. war sichtlich durch den Wind und insgesamt in keinem guten Zustand. “ Diese „Bestandsaufnahme“ machte ein Arzt am Mittag des 7. Januar 2015 in der Uelzener Arbeitsagentur von Kevin B.

Der Arzt sollte den 28-Jährigen auf seine Vermittlungstauglichkeit für den Arbeitsmarkt untersuchen.

Dass B. ziemlich angeschlagen wirkte, war kein Wunder; schließlich hatte er nach eigenen Angaben seit dem 6. Januar „durchgesoffen“ und soll am Vormittag des 7. Januar dann mit seinem Zechkumpan Mike W. in einer Wohnung an der Alewinstraße einen Mann überfallen, diesen mit einem Fleischklopfer zusammengeschlagen und gedroht haben, ihn umzubringen. Beide sitzen seit dem Vorfall in Untersuchungshaft.

Der gestrige zweite Verhandlungstag gibt erste Einblicke in die Lebensläufe der beiden Angeklagten. Während Kevin B., nach eigenen Angaben alkoholabhängig, nur drei Vorstrafen wegen Diebstahls, Trunkenheit im Verkehr und Körperverletzung aufweist, stand Mike W. seit 1987 bereits 15 Mal vor diversen Gerichten. Von versuchter räuberischer Erpressung über sexuelle Nötigung, versuchte schwere Brandstiftung bis zu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Körperverletzung und Rauschgifthandel reicht die Delikts-palette des 44-Jährigen, der wieder in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht wurde.

Motiv für den brutalen Überfall vom 7. Januar soll Eifersucht sein, beim Opfer handelte es sich um den Schwager einer Bekannten von Mike W. Dieser schweigt zu den Vorwürfen, Kevin B. dagegen zeigte sich umso redseliger – auch in einem Brief aus der Untersuchungshaft an seine Lebensgefährtin und seine Tochter, der beschlagnahmt worden war. „Wieso musste ich nur mit diesem Wich... losgehen, (...) der mit seiner Eifersucht, (...) ich würde alles, wirklich alles dafür geben, wieder bei euch zu sein und sie aufwachsen zu sehen“, heißt es darin unter anderem.

Ob Kevin B. das in absehbarer Zeit kann, ist offen – denn weil die Angreifer auch noch Bargeld und eine Buschtrommel stahlen, nachdem sie ihr Opfer verprügelt hatten, sind beide wegen „gemeinschaftlich begangenen besonders schweren Raubes“ angeklagt.

Von Thomas Mitzlaff

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