Erste Vorstellung heute um 16 Uhr / Zirkus und PETA klagen gegeneinander

Zirkus baut Stadt in der Stadt

Die Frau ist schmal, aber stark: Tatiana Yzquierdo wuchtet den AZ-Redakteur in eine Figur, rechts hilft ihr Mann Hector nach.

Uelzen. Ein kleines eigenes Dorf ist am gestrigen Donnerstag in Uelzen entstanden. Die etwa 100 Mitglieder des Zirkus Charles Knie haben ihre Zelte aufgebaut.

Auf dem Albrecht-Thaer-Gelände herrscht damit babylonisches Sprachengewirr: Aus 13 Nationen kommen die Mitarbeiter und Artisten.

Die haben sich eingerichtet. Das bedeutet: Ein kleines Dorf organisiert sich, mit Büros, Umkleiden, den persönlichen Wohnwagen, den Gattern für die Tiere. „Wir müssen komplett autark sein“, sagt Pressesprecher Sascha Grodotzki. Die wenigen Dinge, die fehlen, sind etwa Strom und Wasser, die von den Stadtwerken gestellt würden, so sagt er. Oder sie brauchen Heu und Stroh, die von lokalen Lieferanten kommen, wie Grodotzki sagt. Eine Mitarbeiterin habe Tage vorher die Landwirte der Region abtelefoniert.

Sogar eine Schule hat der Zirkus: Der pensionierte Schulleiter Rainer Mannhardt unterrichtet mehrere kleine Kinder in einem winzigen Schulraum auf einem Karawan.

Känguru Norbert lässt es die ruhig angehen. Er ist eines der Tiere, um die sich Tierschutzorganisationen wie die PETA sorgen.

Bisweilen etwas schräge Lebensläufe produziert so ein Zirkus, wie den von Tatiana Yzquierdo, die zusammen mit ihrem Mann Hector Hebefiguren zeigt. Wobei sie, wohlbemerkt, die Hebende ist und er der Gehobene. Artistin ist sie erst seit drei Jahren. Vorher war sie eine brave Sekretärin in einem Büro in Bordeaux. Bis sie 22 war, dann lernte sie Hector kennen, die beiden verliebten sich, sie trainierten zusammen und wurden das Artistenduo „Solys“. Gefehlt, so sagt sie, habe ihr in ihrem „vorherigen Leben“ nichts, aber die Faszination des Zirkus hat sie dann gepackt. „C’est fantastique!“ ruft sie aus, man sehe und erlebe die ganze Welt. Das Reisen gefalle ihr, und sie drückt es so aus, dass das „Reisen“ nicht nur als Fortbewegen von A nach B zu verstehen ist, sondern auch als Erleben und Erkunden der Welt.

Ganz harmonisch bleibt die Zirkusromantik aber nicht. Zirkusleitung und die Tierschutzorganisation PETA liegen miteinander im Clinch – und verklagen sich. Die PETA behauptet, den Zirkus Charles Knie wegen Tierquälerei angezeigt zu haben, mit dem Hauptpunkt, dass der Zirkus seinen Tieren zu lange Reisezeiten zumute.

Davon weiß der Pressesprecher Sascha Grodotzki nichts, er streitet ab, dass es eine Klage gebe. PETA meint dazu, dass die Staatsanwaltschaft Wuppertal, bei der Anzeige erstattet worden sei, sich möglicherweise noch nicht an den Zirkus gewandt habe – die Klage sei erst vor wenigen Tagen eingereicht worden. In jedem Fall hat es eine Klage des Zirkus gegen einen PETA-Mitarbeiter wegen übler Nachrede gegeben. Sie wurde abgewiesen.

Gegen die Kritik wehrt sich Grodotzki. Niemand der Tierschützer sei selbst gekommen, um zu sehen, wie es den Tieren gehe. PETA wolle sich nur profilieren. Die Tiere kämen nicht aus der Wildnis, sondern seien das Leben mit Menschen gewohnt, die Show mit den Tieren würde auf natürlichem Verhalten der Tiere aufbauen. Außerdem würden die Transporte so kurz wie möglich gehalten und die Außengehege als letztes ab- und als erstes aufgebaut.

Der Zirkus beginnt heute um 16 Uhr mit einer preiswerteren, aber mit dem üblichen Programm identischen Familienshow. Mehr infos gibt es unter www.zirkus-charles-knie.de.

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