Uelzener fordern Transparenz: IDA-Chef Gerard Minnaard betont offenen Umgang mit Beteiligten

Zinsloses Darlehen für die Mühle

Vor zehn Tagen wurde die Woltersburger Mühle offiziell eröffnet. Für das Arbeitslosenprojekt wurden nicht nur Spenden verwendet. Die Frau des Vereinsvorsitzenden, Klara Butting, hatte eine sechsstellige Summe als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt. Foto: Kaiser

Uelzen. Vier Jahre lang haben Langzeitarbeitslose das Gelände der Woltersburger Mühle aufgebaut. Kaum ist der Komplex samt Café offiziell eröffnet, wird der Hintergrund des Projektes kritisch beleuchtet: Mehrere Leserbriefe und Kommentare in der AZ und auf az-online.

de haben eine kontroverse Diskussion angestoßen. „Weniger Mauscheleien und etwas mehr Transparenz“ fordert beispielsweise Leserbrief-Schreiber Andreas Block aus Uelzen. „Wurde etwa der Pferdestall von Spendengeldern finanziert und wird nun privat genutzt?“, lautet eine der gestellten Fragen.

Für den Initiator des Arbeitslosenprojekts, Gerard Minnaard, Vorsitzender des Vereins Integration durch Arbeit (IDA), kommt diese Kritik überraschend. „Für mich ist wichtig, dass es eine totale Transparenz gibt“, betont er auf AZ-Nachfrage. Mit dem Vereinsvorstand, in dem ein Vertreter vom Finanzamt, von der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, ein Rechtsanwalt, ein Lehrer und eine Sozialpädagogin sitzen, mit den rund 60 Vereinsmitgliedern, mit dem Finanzamt und der Agentur für Arbeit bespreche er alles, was die Mühle betreffe. „Wenn ein Fremder zu mir kommt und etwas fragt, dann würde ich das auch erklären.“

Eines der Pferde an der Mühle gehört Minnaards Frau Dr. Klara Butting. „Sie hat für die Benutzung des Stallgebäudes 15 Jahre im Voraus gezahlt“, erklärt Minnaard. Das sei vertraglich mit dem Verein geregelt und mit dem Vorstand abgesprochen. Die Pastorin, die im Rahmen einer halben Stelle im „Zentrum für Spiritualität und Verantwortung“ auf dem Mühlengelände arbeitet, erhalte bei der Versorgung der Pferde Hilfe von Jugendlichen der Produktionsschule Uelzen (PSU), die zum Verein IDA gehöre. Diese Schüler würden dafür bezahlt – „abgestimmt mit der Agentur für Arbeit und offiziell als Einnahmen der Produktionsschule verbucht“ – und Butting komme für das Futter auf. Minnaards Frau arbeite mit ihrem Pferd mit den PSU-Schülern – eine Art Therapie. Sie sollen sich richtig bewegen und lernen, Verantwortung zu übernehmen, erläutert Minnaard. Seine Pläne sind, zwei weitere Pferde auf Kosten des Vereins für das Mühlengelände zu kaufen. „Bis dahin gibt es zwei Gastpferde, die jemand kostenlos zur Verfügung gestellt hat.“ Fördermittel der EU seien für den Stall nicht verwendet worden: Die Aktion Mensch hatte die Arbeitslosenmaßnahme finanziert, mit der der Pferdestall aufgebaut wurde – „das Gebäude ist ein Nebenprodukt“. Auch das Wohnhaus, in dem derzeit noch das Büro für das Arbeitslosenprojekt an der Mühle existiert, hat Klara Butting für 15 Jahre im Voraus gemietet, erklärt Minnaard. Dafür bestehe ebenfalls ein Vertrag mit dem Verein. „Wir wollen uns in diesem Jahr noch Zeit nehmen zu überlegen, ob wir selbst dort wohnen oder wer sonst auf dem Gelände wohnen könnte“, so Minnaard. „Sicher ist, dass Menschen, die für das Projekt Verantwortung übernehmen, auf dem Gelände wohnen müssen.“

Zum Thema Veranwortung führt der für IDA ehrenamtlich tätige Minnaard außerdem aus: „Frau Butting hat dem Verein vor längerer Zeit bis auf unbestimmte Zeit eine sechsstellige Summe als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt, damit das Projekt Woltersburger Mühle realisiert werden kann. Ich selbst bekomme für meine Arbeit eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro monatlich.“

Eine weitere große Summe von rund 300 000 Euro wurde für das Mühlenprojekt gezahlt – vom Verein „Erev-Rav“. Dieser gemeinnützig anerkannte Verein unter Leitung von Klara Butting und Gerard Minnaard hat unter anderem das „Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung“ aufgebaut. Der Sitz wurde vor wenigen Jahren von Knesebeck an die Woltersburger Mühle verlegt, auch für die Benutzung der Räume zahle der Verein zudem. Ihre halbe Stelle, die Klara Butting seit April dort besetzt, wird zur Hälfte vom Innovationsfonds der Landeskirche, zur Hälfte von „Erev-Rav“ finanziert. „Es wäre auch gefährlich, nur auf eine Karte zu setzen“, findet Minnaard. „Die Kombination ist ein Glücksfall.“ Dennoch müsse noch zusätzlich geschaut werden, wie eine Finanzierung der Mühle langfristig möglich sei. Dass das Mühlengelände touristisch genutzt werden könne, habe von Anfang an zum Konzept gehört. Das Café und die Pfahlhäuschen bieten dazu nun Gelegenheit, wurden deshalb aber auch aus dem gemeinnützigen Bereich von IDA ausgegliedert, erläutert der Vereinsvorsitzende. Zudem wurde ein Raum an eine Yoga-Schule vermietet, ein Raum wird für ein Chor-Projekt vermietet und der BUND baut eine Kindergruppe auf, die dort die Tier- und Pflanzenwelt kennenlernt.

Von Diane Baatani

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