Prozess gegen zwei Mitglieder der „Douglas-Bande“: Opfer war laut Gutachter nicht in Lebensgefahr

Zeugin hat Angst vor einer Aussage

+
Wegen versuchten Totschlags müssen sich die beiden 19 Jahre alten Uelzener Ismail N. und Robert K. vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg verantworten.

rast Uelzen/Lüneburg. Wegen versuchten Totschlags müssen sich die beiden 19 Jahre alten Uelzener Ismail N. und Robert K. vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg verantworten, weil sie am 2. Juli 2011 frühmorgens in der Uelzener Innenstadt einen 42 Jahre alten Mann attackiert haben sollen.

In dem seit November 2011 laufenden Verfahren gegen die beiden mutmaßlichen Mitglieder der so genannten Douglas-Bande gab der Vorsitzende Richters Axel Knaack am achten Verhandlungstag den rechtlichen Hinweis, dass im Falle einer Verurteilung auch eine gefährliche Körperverletzung infrage kommt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das 42-jährige Opfer seine Zivilcourage fast mit dem Tod bezahlt hätte. Es sei einem Pärchen zu Hilfe geeilt, das von jungen Männern bedroht worden sei, und habe es bis in Höhe einer Gaststätte begleitet. Ismail N. soll dem 42-Jährigen eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen, Robert K. den danach am Boden liegenden Mann ins Gesicht getreten haben (AZ berichtete).

Der medizinische Gutachter Dr. Hubert Kampmann sagte: „Im vorliegenden Fall bestand für das Opfer keine Lebensgefahr.“

Dies ist einer der Gründe, warum die Jugendkammer die Anwälte der Angeklagten darauf hinwies, dass sie ihre Verteidigung nun auch in Richtung gefährliche Körperverletzung auslegen könnten. Richter Knaack nannte einen zweiten Grund: „Für einen versuchten Totschlag brauchen wir konkrete Anknüpfungstatsachen – und die sind hier sehr dünn.“ Bislang hatte nur einer der zahlreichen Zeugen einen Angeklagten, Ismail N., stark belastet.

Es gibt den Verdacht, dass Zeugen vor ihren Aussagen beeinflusst wurden, der Vorsitzende Richter hatte mehrere Zeugen danach gefragt. Denn die beiden Angeklagten gehören laut Ermittlern zu einer Bande, deren Mitglieder in Uelzen immer wieder durch Gewalttaten auffallen würden.

Eine als Zeugin geladene junge Frau verhehlt ihre Angst nicht, ihr Onkel – von Beruf Rechtsanwalt – hatte für ihre Aussage eine „geschützte Vernehmung“ mit einem rechtlichen Beistand beantragt. Das wurde abgelehnt, sie soll nun Mitte Februar aussagen.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion