Polizisten sagen im Banden-Prozess aus

Wie Zeugen manipuliert wurden

az Uelzen/Lüneburg. Es ist eigentlich eine Routine-Ermittlung für die Uelzener Kriminalbeamten. Nächtliche Sachbeschädigung in der Innenstadt, jemand hat an einem Auto zwei Reifen zerstochen. Doch gewisse Zusammenhänge lassen die Ermittler aufhorchen.

Denn am Tag zuvor waren zwei mutmaßliche Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande festgenommen worden. Und der Besitzer des Autos mit den zerstochenen Reifen ist in dem Totschlags-Verfahren als wichtiger Zeuge aufgeführt.

Fünf Mitglieder der Jugendbande, die monatelang Uelzen terrorisierte, sitzen in Untersuchungshaft, gegen zwei wird derzeit wegen versuchten Totschlags verhandelt, drei weitere warten wegen Schutzgelderpressung eines Geschäftsmannes auf ihren Prozess. Und am gestrigen Verhandlungstag gegen zwei 19-Jährige wurde einmal mehr deutlich, wie ungeniert Familienangehörige der Angeklagten versuchen, im Umfeld Druck unter anderem auf Zeugen auszuüben.

Nach der brutalen nächtlichen Schlägerei auf der Gudestorbrücke, bei der im Gesicht des Opfers eine Bierflasche zersplittert und der Mann mit schweren Kopfverletzungen ins Klinikum eingeliefert worden war, brauchte die Polizei einige Tage, um widersprüchliche Zeugenaussagen zu sortieren, bis sich schließlich Ismail N. und Robert K. als mutmaßliche Täter herauskristallisierten.

Die beiden jungen Männer, dem Amtsgericht seit Jahren wegen diverser Gewaltdelikte bekannt, werden festgenommen. Und noch in der Nacht sind bei einem Zeugen der Anklage die Reifen zerstochen. Der Mann selbst ist der Polizei als Türsteher bekannt und gilt nicht gerade als Kind von Traurigkeit. „Bei der Vernehmung über die Sachbeschädigung, die ja eigentlich eine Lappalie ist, war er aber deutlich unsicher, er sprach sehr leise und manchmal hat er auch gar nichts gesagt“, schildert der Kriminalhauptkommissar.

Die Ermittler gehen zu diesem Zeitpunkt bereits fest von einem Zusammenhang zwischen den zerstochenen Reifen und den Festnahmen aus. Denn es bleibt nicht bei den aufgeschlitzten Schläuchen. Schon am nächsten Tag wird der Türsteher aufgefordert, in eine Uelzener Gaststätte zu kommen. Dort wartet der Vater von Robert K. und lässt ihn eine neue Aussage unterschreiben – mit der sein Sohn entlastet wird. Dieses Schriftstück liefert der Vater dann umgehend bei der Polizei ab.

Die Untersuchungshaft kann er aber seinem Sohn trotz dieser Zeugen-Manipulation nicht ersparen. Gestern wurde Robert K., der laut Staatsanwaltschaft dem am Boden liegenden bewusstlosen Opfer auf den Kopf getreten haben soll, von einer Polizistin entlastet. Sie habe damals auch Robert K. ,,als Opfer der Haupttat gesehen“. Die Beamtin erzählte: ,,K. hatte eine blutende Wunde in Augennähe. Er gab an, er sei nur zufällig vorbeigekommen. Da sei ihm plötzlich ein Splitter ins Gesicht geflogen.“

Ein anderer Zeuge habe noch am Tatort ausgesagt, K. sei von dem späteren Opfer angegriffen worden. Für sie selbst habe es keinen Grund gegeben, ,,K. als Mittäter in Betracht zu ziehen, da ihn keiner der anderen Zeugen beschrieben hatte“.

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