Prozess gegen Douglas-Bande: Zeuge gesteht erstmals Treffen mit Angehörigen

Zerstochene Reifen

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Erstmals gab ein Zeuge im Prozess wegen versuchten Totschlags gegen zwei Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande vor dem Landesgericht Lüneburg zu, sich mit dem Bruder und dem Vater der beiden Angeklagten im Vorfeld getroffen zu haben.

Uelzen/Lüneburg. Erstmals gab gestern ein Zeuge im Prozess wegen versuchten Totschlags gegen zwei Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande vor dem Landesgericht Lüneburg zu, sich mit dem Bruder und dem Vater der beiden Angeklagten im Vorfeld getroffen zu haben.

Der 31-jährige Türsteher der Kneipe Hofinger, der gestern in den Zeugenstand gerufen wurde, schilderte den Tathergang aus seiner Sicht: Er habe beobachtet, wie der 19-jährige Robert K., den er vorher schon aus der Kneipe geschmissen hatte, weil er angeblich ein Portmonee gestohlen haben soll, mit dem 41-jährigen Nebenkläger auf der Brücke über dem Ratsteich gerangelt habe. Beide hatten bereits Gesichtsverletzungen davon gertragen. Der Türsteher habe die beiden dann getrennt und im Augenwinkel hinter sich gesehen, wie der 41-Jährige zu Boden ging. Daran, dass Robert K. das am Boden liegende Opfer getreten haben soll, kann er sich nicht erinnern.

Zehn Tage, nachdem der 31-Jährige seine erste Aussage bei der Polizei gemacht hatte, wurden ihm vor seiner Haustür die Reifen seines Autos zerstochen. Einen Tag später traf er sich dann seiner Aussage nach „zufällig“ mit dem Bruder von Ismail N..

Bei der Polizei lautete die Aussage noch, dass er vom Bruder angerufen wurde, doch vor Gericht war die Rede von einer zufälligen Begegnung in Uelzen. Der Bruder von Ismail N. bat ihn in ein Café, wo sich auch der Vater von Robert K. befand. Der Türsteher verfasste einen Brief für die Anwälte der beiden, in dem er den Tathergang schriftlich verfasste und betonte darin, dass er Ismael N. gar nicht am Tatort gesehen und Robert K. eine Platzwunde am Auge gehabt habe. Doch dieser Brief wurde nicht an die Anwälte, sondern an die Polizei weitergereicht. Außerdem habe er laut Schreiben nicht gesehen, wie Robert K. auf den 41-Jährigen eingetreten habe, als dieser bewusstlos am Boden lag. Aufgrund dieser Aussage beantragte der Rechtsanwalt von Robert K., Volker König, gestern den Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufzuheben. Bis heute will die Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme abgeben.

Ein weiterer Zeuge, der gestern angehört wurde, schilderte, wie jemand an besagtem Abend seine Bierflasche vom Stehtisch genommen hatte, auf dem Weg zum Nebenkläger den Inhalt auf die Straße kippte und dem 41-Jährigen damit frontal ins Gesicht schlug. Der Täter sei anschließend verschwunden. „Ich wurde im Vorfeld von niemandem angesprochen“, betonte der 21-jährige Zeuge auf Nachfrage des Richters Axel Knack.

Der Prozess wegen versuchten Totschlags wird am Dienstag, 20. Dezember, fortgesetzt.

Von Jörn Nolting 

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