Junge jetzt vorerst in Obhut des Uelzener Jugendamtes

Zehnjähriger Uelzener 36 Stunden in Händen eines Sexualstraftäters

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Uelzen. Es war für die Polizei ein Wettlauf mit der Zeit: Ein seit dem Wochenende vermisster Zehnjähriger aus Uelzen war in den Händen eines wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Mannes. Das bestätigte die Polizei heute Abend.

Der Junge war vermutlich am Samstagabend von Zuhause weggelaufen. Montagmittag griff ihn die Polizei in Winsen/Luhe auf – in Begleitung eines 73-jährigen Mannes. Dieser hatte gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Das Kind ist offenbar unversehrt, „nach ersten Befragungen des Kindes haben keine sexuellen Handlungen stattgefunden“, sagt Polizeisprecher Kai Richter.

Der Junge hatte vor seinem Weglaufen einen Brief für seine Eltern zurückgelassen und darin von einem „super Partner“ geschrieben, mit dem er die nächste Zeit verbringen wolle. Sie sollten sich keine Sorgen machen, er werde sich regelmäßig melden. Die Mutter bemerkte Sonntagmorgen das Fehlen des Jungen und startete daraufhin einen Suchaufruf mit einem Foto ihres Jungen über das soziale Netzwerk Facebook, der europaweit fast 200 000 Mal geteilt wurde und schließlich zum Erfolg führte: Montagmittag erkannte ein Passant den Zehnjährigen in der Innenstadt von Winsen/Luhe, wo er in Begleitung des 73-Jährigen unterwegs war. Die Polizei griff beide wenig später auf.

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Was geschah mit dem Kind?

Der Senior war dem Jungen offenbar vor Monaten zufällig in Uelzen begegnet, ihn in der Folgezeit regelmäßig getroffen und so ein Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut. So sind beide mehrfach zusammen im Uelzener Schwimmbad gesichtet worden. Die Mutter muss von dem Kontakt gewusst haben, denn sie schrieb in ihrem Suchaufruf von einem „etwa 60-jährigen Erwin“, bei dem ihr Kind vermutlich sei. Allerdings war diese Verbindung von den Eltern offenbar nie näher hinterfragt worden, denn weder Mutter noch Vater konnten der Polizei nähere Hinweise auf den Mann geben.

Gegen den 73-Jährigen laufen jetzt gleich mehrere Verfahren, unter anderem wegen „Entzugs eines Minderjährigen“. Er soll aus Südniedersachsen stammen, wieso er sich in Uelzen aufhielt, ist bislang nicht bekannt.

Der Zehnjährige wurde heute dem Uelzener Jugendamt übergeben, das das Kind vorerst in seiner Obhut behalten wird.

Von Thomas Mitzlaff

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