Von Woche zu Woche

Zarte Zukunftsvisionen

Es waren nur acht Zeilen auf der Meinungsseite der AZ. Ein Leserbriefschreiber sprach aus, was in diesen Tagen viel diskutiert wird in Uelzen.

Dass mit der Absage der Veranstaltung „Musical greets Pop“ zum zweiten Mal ein Musikereignis in Uelzen platzt, man auf den Kosten für seine im Vorverkauf erworbenen Karten womöglich sitzen bleibe und künftig lieber nur an der Tageskasse kaufe – auch im Hinblick auf das bevorstehende Open Air mit Peter Maffay.

Solche Befürchtungen sind nachvollziehbar, sie sind menschlich – und sie sind doch fatal. Sowohl für den Veranstalter, im konkreten Beispiel des Open Air, aber auch für eine ganze Stadt. Denn was dieses Freiluftkonzert betrifft, spielt die Uhlenköperstadt bei den ganz Großen mit. Die Ärzte, Herbert Grönemeyer, Ich & Ich, The Boss Hoss – wer war nicht schon alles hier in den Vorjahren.

Zu verdanken ist das Ulrich Gustävel, der Jahr für Jahr unermüdlich Verbindungen aufbaut und Möglichkeiten auslotet. Die alte Jabelmann-Fabrik hat er zur attraktivsten und kultigsten Veranstaltungshalle ausgebaut, die die Region aktuell zu bieten hat.

Diese Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Uelzen hat sich einen Namen gemacht als Open-Air-Standort, die Jabelmannhalle wird für Abi-Bälle ebenso gebucht wie für Geburtstage, Weihnachtsfeiern oder Tagungen.

Und auch für den 28. Februar war die Jabelmannhalle gemietet worden. Von einer auswärtigen Agentur, die Sänger wie Alexander Klaws und Sandy Mölling dort auftreten lassen wollte. Daraus wird nichts, die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet. Ulrich Gustävel wollte für diese Veranstaltung lediglich seine Halle als Vermieter zur Verfügung stellen – mehr nicht.

Und dennoch sieht er unvermittelt auch seine Open-Air-Reihe in der Diskussion. Peter Maffay soll am Pfingstwochenende das Albrecht-Thaer-Gelände rocken, der Vorverkauf läuft längst.

Der Stadt Uelzen leistet Gustävel mit solchen Kraftakten einen großen Dienst, bessere Werbung gibt es kaum. Und unwillkürlich muss man daran denken, wie viele Chancen die Uhlenköperstadt in den vergangenen Jahren schon hat liegen lassen, weil man lieber im eigenen Saft schmorte, als an die Weiterentwicklung der Region zu denken.

Doch das Sinnieren über vergangene Zeiten hilft nicht weiter, wie entwickelt sich Uelzen jetzt und in den nächsten Jahren? Da ist diese Open-Air-Reihe eine Chance, sich nach außen als weltoffene Kulturstadt einen Namen zu machen. Auch die Visionen des jungen Vereins Ilmenaustadt, der sich am Donnerstagabend vorstellte, sind mehr als nur ein Denkanstoß junger Uelzener – sie verdienen es, dass man sich intensiv mit ihm auseinandersetzt und sich nicht gleich in Details verzettelt und die Ideen als unbezahlbar abtut.

Hoffnungsvolle Ansätze, die belegen, dass es auch in Zeiten knapper Kassen Möglichkeiten gibt, eine Stadt voranzubringen, sie zu gestalten für die Zukunft. Uelzen hat einen neuen Bürgermeister, viele Menschen mit Ideen. Man sollte diese Aufbruchstimmung nutzen.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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