Von Woche zu Woche

Es zählt Engagement statt Zahlen

Auf den ersten Blick sind es nur Zahlen. In den kommenden drei Jahren, so sagt es das Sozialamt des Landkreises voraus, werden zu den bereits in der Region lebenden rund 400 Flüchtlingen weitere 1000 hinzukommen.

Hinter den Ziffern verbergen sich auf den zweiten Blick Schicksale von Menschen. Jeder einzelne Flüchtling hat seine Heimat verlassen, weil er sein Leben bedroht sah oder der Not entkommen wollte. Er machte sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft in der Hoffnung, bessere Zeiten zu erleben. In Deutschland angekommen, erfolgt die Unterbringung in ein Erstaufnahmelager, die spätere Zuteilung in eine Unterkunft in Städten und Dörfern oder die Abschiebung. Damit erzählen die Zahlen auch, wie Deutschland, wie der Landkreis Uelzen mit der Flüchtlingsbewegung durch Kriege und Krisen in der Welt umgeht.

Unterkünfte werden gesucht, das verlassene Gebäude des Bundesgrenzschutzes in Bad Bodenteich dabei von der Kreispolitik ins Spiel gebracht. Es könnte ein Flüchtlingszentrum des Landkreises werden, meint die UWG-Fraktion. Die Gruppe Die Grünen/Bündnis Zukunft erwägt dort ein Erstaufnahmelager zu installieren. Kaum machen die Vorschläge die Runde, lässt sich im Netz schon nachlesen, was jene denken, die nur die Zahlen, aber nicht die Menschen im Blick haben. Die Angst vor einer Flüchtlingsschwemme wird geschürt.

Unterdessen diskutiert die Kreispolitik auch darüber, welchen finanziellen Anteil das Land an den Kosten für die Versorgung der Flüchtlinge übernehmen soll und welcher der Landkreis Uelzen, der seine Kommunen unterstützen, aber nicht unter der finanziellen Last der Asylbewerber ächzen will. Auch das ist eine Debatte über Zahlen.

Und dann gibt es noch eine – Achtung – nicht genau zu benennende Zahl an Menschen, für die Zahlen eine untergeordnete Rolle spielt. Es ist die Rede von jenen, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern, wenn sie – ihrer Heimat entwurzelt – sich zurechtfinden müssen, in einem Land, dessen Sprache sie nicht können und dessen Lebensweise sie nicht kennen. Zu nennen sind beispielsweise die freiwilligen Kräfte, die heute in Bad Bevensen eine Spendenbörse auf die Beine stellen. Nach einer laufenden Diskussion über die Unterbringung von Flüchtlingen und Versorgungskosten steht im Landkreis eine Diskussion darüber, wie die Ehrenamtlichen gestärkt werden können gerade am Anfang. Bemühungen wie jene des Präventionsrates, die Flüchtlingshilfe auszubauen und zu strukturieren, müssen mit allen Kräften unterstützt werden.

Von Norman Reuter

Kommentare