Streik beim Metronom: Gewerkschaft GDL sieht sich zusehends dem Zorn der Reisenden ausgesetzt

Wutattacken am Dienst-Handy

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Symptomatisch für mangelhaftes Improvisationsgeschick des Metronom in Streikzeiten? Lediglich ein handgeschriebener Zettel weist an diesem Fahrkartenautomaten auf Zugausfälle hin.

Uelzen. Der Zorn gestrandeter Pendler traf Lutz Schreiber auf einem Weg, mit dem der GDL-Bezirksvorsitzende Nord nun überhaupt nicht gerechnet hätte: An seinem Handy, das er eigentlich für Presseanfragen freigeschaltet hatte, musste sich der Funktionär dafür rechtfertigen, dass die Lokführer nun schon seit Montag den Metronom bestreiken.

Die Nummer hatten die aufgebrachten Reisenden nach Schreibers Recherche von dem Uelzener Eisenbahnunternehmen selbst erhalten – man solle sich bei den Verursachern beschweren, dass die Züge ausfielen, hatten Metronom-Mitarbeiter den Fahrgästen mitgeteilt und offenbar auch gleich die Handy-Nummer des Gewerkschaftschefs weitergegeben. Seit mehreren Monaten dauern nunmehr die Tarifauseinandersetzungen zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und mehreren privaten Eisenbahnen – und die Handy-Posse ist ein Beispiel dafür, wie die Nerven auf beiden Seiten zusehends blank liegen.

Die GDL bekommt den Zorn der Kunden immer stärker zu spüren und sah sich deshalb genötigt, noch am späten Mittwochabend eine Erklärung zu veröffentlichen, in der man betont, dass die Gewerkschaft nicht die Kunden des Metronom, sondern das Unternehmen bestreike. Das Ergebnis ist zwar für die Kunden dasselbe – die Züge fallen aus. Das weiß auch der Nord-Chef Lutz Schreiber. Aber ein Ende der Auseinandersetzung auf dem Rücken der Fahrgäste ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaft fordert bundesweit einheitliche Standards für die Lokführer bei den verschiedenen Unternehmen und die Absicherung der Arbeitsplätze bei einem Betreiberwechsel – der Metronom lehnt das ab.

Angst zu scheitern habe er nicht, betont Schreiber gegenüber der AZ: „Wir sind stark genug, diese Geschichte durchzuziehen.“ Die Gewerkschaft setzt darauf, dass der Druck auf das Unternehmen irgendwann so groß wird, dass es letztlich einlenkt. Bis dahin ist Chaos angesagt im Nahverkehr zwischen Göttingen, Hannover, Uelzen und Hamburg. Und der Metronom gerät zusehends in die Kritik, weil es ihm nicht gelingt, einen schematischen Streik-Fahrplan zu erstellen, wie es zum Beispiel die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) längst getan hat.

Stattdessen finden Kunden im Internet eine völlig durcheinander geratene Auflistung von Zügen, die fahren sollen. Und auch das ist ein Indiz für eher chaotisches Streik-Management: Bei Metronom war gestern den ganzen Tag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Von Thomas Mitzlaff

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