Wunschbaum gekapert

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Die Schüler der zweiten Klassen der Grundschule Westerweyhe haben ihre Wünsche an den Weihnachtsbaum im Uelzener Rathaus gehängt.

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Als Bürgermeister Otto Lukat pünktlich um 11 Uhr gestern den Startschuss für den Wunschbaum im Foyer des Rathauses geben wollte, kam er schon zu spät: Die Schüler der zweiten Klassen der Grundschule Westerweyhe waren schneller gewesen und hatten schon ihre Wünsche an den Weihnachtsbaum gehängt.

Genau genommen haben die Schüler einen einzigen Wunsch, nämlich den nach einem sicheren Schulweg. Darin sind sie sich durchaus mit ihren Eltern einig. Die wollen seit Jahren, genau wie auch die Schule und der Ortsrat, dass im Bereich der Kreuzung Hugo-Steinfeld-Str./Stadtberg und am Dorfkrug ein Fußgängerüberweg oder eine Tempo-30-Zone eingerichtet wird. Erst in diesem Jahr wurde ein entsprechender Antrag abgelehnt. „Die Stadt und die Polizei sehen keinen Handlungsbedarf“, sagt Karl-Heinz Günther vom Schulelternrat. Er selber sieht dort „ein erhebliches Risiko für unsere Kinder“.

Auf dem Schulweg gilt die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Günther verweist auf die Regelung vor der Hermann-Löns-Schule in Uelzen: „Da gibt es ein Matrix-Zeichen, das nur während der Schulzeit leuchtet. Das sollte doch in Westerweyhe auch möglich sein.“ Mehrere Fuhrunternehmen sind im Ort angesiedelt, was für reichlich LKW-Verkehr sorgt. „Ganz brenzlig wird es aber, wenn der Schulbus da steht und von der anderen Seite ein Trecker kommt.“ Erst neulich hat er eine solche Situation miterlebt. „Da bleiben zwischen den kleinen Kinderfüßen und dem Treckerreifen keine 30 Zentimeter Platz, obwohl sich die Kinder wie gelähmt vor Angst an die Hauswand quetschen.“

Am liebsten wäre den Eltern ein Zebrastreifen. „Wenn der erst da ist, dann werden sich auch Schülerlotsen finden“, sind sie sich sicher. Damit der genehmigt wird, wollen die Eltern die Situation vor der Schule erst einmal mit der Kamera dokumentieren, „und zwar aus der Perspektive der Kinder, damit die zuständigen Politiker mal sehen, wie das für die Schüler aussieht“.

Und am gleichen Abend wird erneut ein Antrag im Ortsrat Kirch- und Westerweyhe gestellt, damit der Schulweg entschärft wird. „Gut so“, fand Lukat, „dann haben wir’s noch mal schriftlich“. Der lobte auch ausdrücklich die Schulkinder, die ganz ohne offizielle Eröffnung den Weihnachtswunschbaum gekapert und zumindest den unteren Teil ziemlich dicht gemacht hatten - was im Umkehrschluss natürlich heißt, dass für Leute mit längeren Armen im oberen Teil noch reichlich Platz für Anregungen, Beschwerden, Kritik oder auch Lob ist.

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