Kirchen und Zentrum für biblische Spiritualität veranstalten Passionsandachten in der Öffentlichkeit

Wunde Punkte der Gesellschaft

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Guten Mutes in die Passionszeit: Pastor Florian Moitje, Propst Jörg Hagen und Pastor Gerard Minnaard bereiten vier „Schmerzpunkte“ vor. Die erste Andacht gibt es am 24. März.

Uelzen. Eine Andacht dort, wo selten jemand stehen bleibt: am Hinterausgang des Hundertwasser-Bahnhofs.

Der Platz, an dem sich täglich Jugendliche und Erwachsene treffen, abhängen und Alkohol trinken, ist einer der sogenannten „Schmerzpunkte“, die für Passionsandachten ausgewählt wurden.

Einen Blick für das Leiden schaffen wollen in der Karwoche die Uelzener Kirchengemeinden der Region Mitte und das Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung an der Woltersburger Mühle. Ab Sonntag, 24. März, werden vier Tage lang abends jeweils von 18 bis 18.20 Uhr an verschiedenen Standorten im öffentlichen Raum kleine Gottesdienste gehalten, an denen Pastoren ebenso beteiligt sind wie Menschen, die mit diesen „Schmerzpunkten“ im Alltag zu tun haben.

„Das Leid Jesu und der Schmerz von Menschen haben auch heute etwas miteinander zu tun“, sagt Propst Jörg Hagen. Gottlose Räume gebe es nicht, und um das deutlich zu machen, wollen sie einen Schritt aus dem kirchlichen Raum hinaus setzen. „Jesu Solidarität und sein Leiden führen uns an die wunden Punkte unseres Zusammenlebens“, erläutert Gerard Minnaard für das Zentrum an der Mühle in der Einladung. „Wir kennen diese wunden Punkte. Sie befinden sich ja mitten unter uns – auch wenn wir sie in der Regel aus unserem normalen Leben ausklammern.“ In anderen Städten werden Andachten auch schon außerhalb von Kirchen veranstaltet, berichtet Pastor Florian Moitje, so gebe es auch Kreuzwegandachten, bei denen im Rahmen einer Andacht an verschiedenen Stationen Halt gemacht wird. Bei diesen Uelzener Schmerzpunkten sollen ebenfalls wunde Punkte der Gesellschaft im Mittelpunkt stehen.

„Die Menschen an den Orten sollen selbst zu Wort kommen“, erklärt Minnaard. Da es innerhalb von 20 Minuten allerdings schwer zu realisieren ist, eine Reihe von Personen sprechen zu lassen, wurde eine Auswahl getroffen. Über vertriebene jüdische Bürger Uelzens, um die es beim Auftakt der Passionsandachten geht, wird daher Dietrich Banse von der Geschichtswerkstatt Uelzen neben Pastorin Klara Butting und Propst Jörg Hagen sprechen. Für die Andacht am rückwärtigen Ausgang des Hundertwasser-Bahnhofs sind der Streetworker Steffen Siegert sowie Pastor Reinhard Klingbeil und Pastor Christoph Scharff-Lipinsky dabei und bilden somit den Abschluss der Reihe.

Von Diane Baatani

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