Wüstenstaub und 50 Grad

So fing alles an: Im Februar ahnten Ingo Klaucke (links) und Christoph Nauck nur in Ansätzen, was sie erwarten wird.

Schier/Landkreis - Von Wiebke Brütt . „50 Grad heißes Wasser schmeckt nicht, das muss man sich reinquälen“, sagt Ingo Klaucke und verzieht das Gesicht, als würde die Erinnerung gerade sehr lebendig werden. Fünf bis sechs Liter des „Gebräus“ tranken er und seine drei Kameraden Gregor Deutsch (50), Carsten Zimmermann (36) und Christoph Nauck (43) täglich – 19 Tage lang. Denn die Männer aus dem Landkreis Uelzen starteten bei der Rallye Dresden – Dakar – Banjul (die AZ berichtete). Nun sind sie zurück und brauchen erst einmal Urlaub vom Urlaub.

„Ich bin völlig fertig, könnte nur schlafen“, meint Ingo Klaucke, und man sieht ihm die Anstrengungen der letzten Wochen an. „Wir sind jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefahren – also ziemlich genau von sechs bis sechs Uhr“, berichtet der 43-Jährige. Jeden Tag mit drei Guides, die sich abwechselnd einem der 50 Teams anschlossen, und oft mit Militäreskorte – denn nicht jedes der zu durchquerenden Länder war sicher. Für Mauretanien bestand schon vor Rallyebeginn eine Warnung von auswärtigen Amt, in Senegal entschied sich die Rennleitung kurzfristig, Militärschutz anzufordern. „Unsicher habe ich mich eigentlich nie so richtig gefühlt. Das Auto eines anderen Teams wurde einmal mit Steinen beworfen, was dann schon etwas beunruhigend war“, erinnert sich Klaucke. Die Nächte verbrachten die Abenteuer im Zelt.

7300 Kilometer legten die Abenteurer zurück, gefahren wurde immer nach Karte. „Das war schon beeindruckend. In Mauretanien zum Beispiel gibt es ja echt nichts als Sand und Steine“, staunt Klaucke noch immer. In der Wüste dienten ihnen lediglich vereinzelt aufgetürmte Stein- oder Autoreifenhaufen und die gute Nase ihrer Guides als Orientierung – von Straßen konnten sie die meiste Zeit nur träumen. Klaucke: „Mit den befestigten Straßen wurde es immer weniger und auch auf die Karten konnte man sich nicht immer verlassen.“

Trotz der „unbequemen“ Fahrbahn konnte sich das Team aus dem Landkreis aber auf seine „Rennmaschinen“ verlassen. Mit extra breiten Reifen und Unterfahrschutz trotzten sie der schlechten Wegstrecke: „Unterwegs haben wir uns in einer Werkstatt noch einen Tankschutz anschrauben lassen. Naja, uns repariert hat jeder jeden Tag etwas an den Autor“, berichtet der 43-Jährige. Hin und wieder fuhr sich eines der insgesamt 50 Rallyeteams im Wüstensand fest oder beschädigte sich an Steinen, die überall herumlagen, den Unterboden. Dann war Teamarbeit gefragt. Denn allzu lange sollten sich die Europäer auf Anraten von Rallyeleitung und Militäreskorte nicht an einem Flecken aufhalten. „Das war schon beeindruckend. Wenn einer Hilfe brauchte, wurde sofort angepackt. Schließlich war ja das Ziel, dass wir alle ankommen“, so Klaucke.

Problematischer als die Frage, wie die Fahrzeuge wieder zum laufen zu kriegen waren, war die nach dem womit: Tankstellen gab es nur vereinzelt, und diese wenigen verkauften meistens nur Diesel – Klaucke und seine Männer brauchten aber Benzin. Und wenn dann mal die richtige Zapfsäule gefunden war, hieß es dennoch nicht einfach „laufen lassen“, sondern zunächst filtern. Klaucke: „Der Kraftstoff war oft durch Sand oder andere Partikel verschmutzt, darum durfte er immer nur über ein Sieb in den Tank laufen.“

In Banjul angekommen, wurden die Rallyeautos versteigert und der Erlös gemeinnützigen Projekten gespendet. Das Vehikel von Ingo Klaucke und seinem Team brachte etwa 700 Euro für drei neue Krankenzimmer ein.

Auf die Frage, ob er nochmal bei der Rallye Dresden – Banjul antreten würde, kann sich der Schierer ein leicht zynisches Lächeln nicht verkneifen: „Das ist schon eine härtere Nummer, als es im Internet dargestellt wird. Ohne dass man selber basteln kann, ist das nicht zu schaffen. Wir sind nun alle Autofans und konnten uns dementsprechend helfen, aber es waren auch andere am Start. Außerdem war mir die Landschaft nicht abwechslungsreich genug.“

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