Das Wort zum Sonntag

Unbedeutend

Unbedeutend. Das Wort hat es in sich. Mit einem Ausrufezeichen kann es ein vernichtendes Urteil sein. So wenig zählt einer! So unwichtig ist, was eine tut! Den Arbeitsplatz zu verlieren, lässt einen das spüren. Oder Krankheit und Alter, die am Selbstvertrauen nagen.

Und der Volkstrauertag morgen erinnert daran, was Krieg und Gewalt bedeuten: Menschenleben werden unbedeutend. Unbedeutend? Mit einem Fragezeichen steckt darin aber auch Hilfreiches. Wer oder was hat Bedeutung für mich? Wem bedeute ich viel? Wo nimmt mich Unbedeutendes in Anspruch? Wer macht sich wichtiger, als er eigentlich ist? So kritisch zu fragen, kann einen aufrechter und gelassener leben lassen. Unbedeutend – die biblische Lesung am Sonntag lässt Beides anklingen. „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meine Schwestern getan habt auch wenn sie noch so unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan“, sagt Jesus (Matthäus 25, 49). Gottes Maßstab für gelingendes Leben ist das. Die unbeachtet am Rand Leben, haben für ihn großes Gewicht. Wer hungert und dürstet, fremd und schutzlos ist, krank und vergessen lebt, liegt ihm am Herzen. Jeder und jede Einzelne. Wir übersehen sein Schicksal leicht, wenn Leid und Elend schier unermesslich groß werden – etwa bei der Katastrophe auf den Philippinen. Und: Ganz und gar nicht unbedeutend ist, was wir tun. Auch das Kleine und Einfache zählt in Gottes Augen viel, sagt Jesus: Das Stück Brot und der Schluck Wasser; die offene Tür und der Besuch am Krankenbett; der Gruß ins Gefängnis und der freundliche Blick für den Verachteten. Nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Was kann ich schon machen? Nein! Gott selbst kommt da zum Vorschein. Ihm begegnen wir dabei. Wer ihn sucht, findet ihn hier: Bei den „Unbedeutenden“. Wichtiger ist für Jesus nichts.

Reinhard Klingbeil ist Pastor an der St. -Marien-Kirche zu Uelzen.

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